Bei "Summon Night - Swordcraft Story" handelt es sich um den
ersten der zwei auch außerhalb Japans erschienenen Game Boy Advance-Ableger
der dort bereits mehrere Teile umfassenden Spielreihe. Ort des Geschehens
ist vorwiegend Wystern, die im Meer gelegene Stadt der Schwerter in der
Welt Lyndbaum. Und wie könnte es anders sein, ist unser/e Held/in
ein Schmiedelehrling. Ja, ihr habt richtig gelesen, ihr habt die Wahl
zwischen einem männlichen und einem weiblichen Charakter. Die Entscheidung
hat zwar keine wirklich handlungsrelevanten Folgen, schafft aber eine
nette Abwechslung. Eurem Auserwählten bietet sich die Möglichkeit
an einem speziellen Turnier teilzunehmen. Der Sieger wird in den erlauchten
Kreis der sogenannten Craftlords aufgenommen, die die Stadt regieren.
Mit diesem Ziel vor Augen stürzt ihr euch nun ins Geschehen, das
von Konkurrenzkampf, aber auch Freundschaft geprägt ist, und sich
interessant weiterentwickelt. Das obligatorische, obwohl hier durchaus
nachvollziehbare "Böse" nebst Kohorten kommt ebenfalls
nicht zu kurz. Die Geschichte vermittelt einige nette Werte und Einsichten.
Unterhaltungen am Ende jeden Tages dienen dem Kennenlernen der anderen
Hauptcharaktere, wobei immer nur ein Gesprächspartner je Abend gewählt
werden kann. Je nachdem wen ihr im Verlauf der Story hierbei besonders
bevorzugt, seht ihr einen anderen Abspanndialog.
Kämpfe finden nicht nur im Rahmen des Turniers statt sondern natürlich
auch beim Erkunden des örtlichen Labyrinths und anderer Dungeons.
Während ihr es bei ersteren mit vorher nominierten Kontrahenten
zu tun bekommt, müsst ihr euch bei letzteren vom Zufall überraschen
lassen. Nach einem Wechsel von der Vogelperspektive zur seitlichen Ansicht
kann die Action beginnen. Bis zu vier Kontrahenten gleichzeitig wollen
so in Echtzeit bezwungen werden. Unterstützung in Form von Items
und Magie erhaltet ihr dabei von einem am Anfang des Spieles beschworenen
Guardian Beast aus einer von vier magischen Dimensionen. Für jeden
Sieg erhalten der Held und sein Beschützer Erfahrungspunkte, Geld
und gelegentlich auch Items. Beim Levelaufstieg eures Charakters erhaltet
ihr ein wenig Einfluss auf die automatischen Wertverbesserungen in Form
von ein bis zwei zusätzlichen Punkten, die ihr selber auf die drei
Statuswerte Angriff, Verteidigung und Agilität verteilen müsst.
Die im Kampf errungenen oder in Kisten und Truhen gefundenen Items lassen
sich zu Rohstoffen schmelzen, mit denen ihr anhand von Bauanleitungen
weitere und immer bessere Waffen schmieden könnt. Hierbei stehen
euch fünf unterschiedliche Kategorien zur Auswahl: Schwert, Axt,
Speer, Knuckle und Driller. Erschafft ihr Waffen nach verbesserten Varianten
der Grundrezepte, verursachen diese sogar Elementarschäden. Ihr
solltet allerdings sorgsam mit euren Waffen umgehen und ihren Verschleiß
während des Kampfes im Auge behalten. Übersteht eure Ausrüstung
ihren Einsatz in einem Stück, steht sie euch beim nächsten
Mal wieder in Topzustand zur Verfügung. Je häufiger ihr eine
bestimmte Waffe verwendet, desto besser wird eure Technik. Das hat zur
Folge, dass ihr höheren Schaden verursachen und feindliche Attacken
erfolgreicher abblocken könnt. Ein erfahrener Umgang bedeutet auch
eine geringere Abnutzung. Wie leicht bzw. schwer die Kämpfe ausfallen,
hängt somit nicht nur vom Level eures Helden und eurem Kampfgeschick
ab sondern oft auch von der Kenntnis der einzelnen Waffe. Die Wahl der
Waffenkategorie ist eher eine Frage der persönlichen Vorlieben.
Anfängern sei das Schwert als Standardwaffe ans Herz gelegt. Da
ihr euch, mit Ausnahme des Turniers, jedoch mit bis zu drei Waffen ausrüsten
und jederzeit im Kampf wechseln dürft, bietet sich Spielraum zum
Experimentieren.
Die Grafik ist typisch japanisch - einfach nur knuddelig, bunt und
sympathisch. Während handlungsrelevanter Gespräche werden
die beteiligten Personen groß eingeblendet und ihr Gesichtsausdruck
an die aktuelle Situation angepasst. Negativ fällt nur die ziemlich
piepsige Musik auf. Da wäre selbst auf einem Game Boy Advance eindeutig
mehr drin gewesen.
Nach Beenden des Spieles könnt ihr weitere Ebenen des Hauptdungeons
erkunden und an einem "Non-Stop-Turnier" teilnehmen. Ein erneutes
Durchspielen kann aufgrund der Wahlmöglichkeiten bei Held, Begleitkreatur
und Gesprächspartnern ebenfalls reizvoll sein. Auch wenn sich nichts
grundlegendes an der Story ändert, so ergibt sich doch ein anderer
Blickwinkel auf die Ereignisse und ihr werdet mit einem weiteren der
insgesamt acht Enddialoge belohnt. Bei einer Spielzeit von etwa 12 bis
16 Stunden durchaus erwägenswert.
Was am Ende im Gedächtnis bleibt, ist ein Spiel mit sympathischen
Charakteren, anregenden Denkansätzen, ohne reine Gut-Böse-Einteilung.
"Summon Night - Swordcraft Story" lässt sich angenehm
spielen. Nachdem nun auch "Summon Night - Twin Age" für
den Nintendo DS seinen Weg in den Westen gefunden hat, hoffe ich, dass
weitere Teile, egal ob Remakes oder Neuentwicklungen, folgen werden.
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