Als erstes Mario-Spiel für den Game Boy Advance konnte "Super
Mario Advance" den hohen Erwartungen vieler Fans nicht gerecht werden.
Dies hatte zwei Gründe. Erstens ist es ein Remake eines bereits bekannten
Mario-Spieles, und zweitens handelt es sich dabei um "Super Mario
Bros. 2 - Mario Madness", dem viele Nintendo-Jünger nicht allzu
viel abgewinnen können. Dies liegt an der Andersartigkeit der Software,
denn streng genommen handelt es sich hierbei um ein modifiziertes "Doki
Doki Panic", das Nintendo als Ersatz für die extrem schwere
japanische Ausgabe von "Super Mario Bros. 2" für den westlichen
Markt gekauft und verändert hatte. Die andere Spielmechanik vermittelt
deshalb ein unübliches, ganz fremdes Spielgefühl. Für mich
persönlich ist unser "Super Mario Bros. 2", das später
als "Super Mario USA" ebenfalls in Japan veröffentlicht
wurde, jedoch das beste Spiel der Mario-Reihe. Die Möglichkeit sich
wirklich einfach alles greifen und zu Wurfgeschossen umfunktionieren zu
können, die vier spielbaren Charaktere Mario, Luigi, Peach (früher
Princess Toadstool) und Toad (jap. Kinopio), die riesigen nichtlinearen
Welten sowie nicht zuletzt der andersartige und mit orientalischem Touch
versehene Grafikstil heben es von den anderen Mario-Spielen deutlich ab
und machen es einzigartig. Natürlich liegt es auch daran, dass ich
gerade mit diesem Spiel groß geworden bin. Trotzdem kann ich die
Enttäuschung der Nintendo-Anhänger, die damals auf ein ganz
neues Mario-Abenteuer für den Game Boy Advance gewartet haben, nachvollziehen.
Das ständige Aufwärmen alter erfolgreicher Titel kann auf die
Dauer auch den treusten Fan ärgerlich stimmen.
Nichtsdestotrotz bietet "Super Mario Advance" die beste und
schönste Fassung von Marios Traum, denn das Abenteuer entpuppt
sich am Ende als solcher. Auf die detaillierte Beschreibung des Spieles
werde ich nun verzichten, dürfte es wohl keinen mehr geben, der
"Super Mario Bros. 2" noch nicht kennt. Sollte ich einmal
Lust verspüren, werde ich mich im entsprechenden NES-Review mehr
als ausführlich darüber auslassen. Stattdessen möchte
ich nur alle wichtigen Änderungen gegenüber dem Original aufzeigen,
wobei jetzt nicht "Doki Doki Panic" sondern unser "Super
Mario Bros. 2" gemeint ist.
Direkt ins Auge fällt die überarbeitete grafische Gestaltung,
die auf dem "Super Mario Allstars"-Remake basiert. Die in
hellen Pastellfarben gehaltenen Grafiken im 16-Bit-Gewand stehen dem
Spiel extrem gut zu Gesicht. Die Schönheitsoperation ist geglückt.
Akustisch ist neben den bekannten Melodien eine neue Sprachausgabe zu
vernehmen, die den Charakteren etwas mehr Individualität verleiht.
So geben beispielsweise Mario und Luigi mit einem italienisch akzentuierten
"Mamma mia" den Löffel ab. Die vereinfachte Handhabung
und die damit verbundene Entschärfung des Schwierigkeitsgrades
wirken sich jedoch am positivsten aus. Muss die Originalfassung mit
nur zwei Continues und ohne Speichermöglichkeit auskommen, darf
man hier am zuletzt erreichten Spielabschnitt unendlich oft wieder einsteigen.
Zwischen den vier Figuren kann außerdem nach jedem Ableben neu
gewählt werden, was bei "Super Mario Bros. 2" nur nach
dem Erreichen eines neuen Spielabschnitts oder nach einem Game Over
möglich ist. Die verbesserte und weitaus präzisere Steuerung
sorgt des Weiteren für ein noch besseres Spielvergnügen. Die
Unterschiede zwischen den vier Charakteren werden dabei durch Stärke,
Geschwindigkeit und Sprungkraft definiert. Mario ist der perfekte Allrounder
und der tollpatschige Luigi der Sprungkönig, die zierliche Prinzessin
Peach trumpft mit ihrer Schwebefähigkeit auf während Toad
den Kraftbolzen darstellt. Besonders große Ausgaben einiger Objekte
wie zum Beispiel Riesenrüben, ein gänzlich neuer Endgegner,
ein Punktestand, viele neue Geheimräume und Extraleben sowie fünf
rote Münzen pro Spielabschnitt, die zur Freischaltung eines neuen
Spielmodus dienen, stellen die restlichen Verbesserungen dar.
Wie man sieht, hat Nintendo an dem alten Spiel kräftig herumgeschraubt
und es dadurch deutlich aufgepeppt. Die Verantwortlichen müssen
aber trotzdem ein schlechtes Gewissen gegenüber der Fan-Gemeinde
gehabt haben, als sie ein erneutes Remake des Klassikers beschlossen.
Vielleicht bekam "Super Mario Advance" deshalb als Wiedergutmachung
noch ein zweites Spiel spendiert: das noch ältere "Mario Bros.",
in dem man die Kanalisation von Ungeziefer säubert. Natürlich
auch in einer überarbeiteten Fassung und einer umfangreichen Multiplayer-Funktionalität.
Ob dies die damalige kollektive Enttäuschung mildern konnte, wage
ich zu bezweifeln.
Für mich persönlich habe ich mit "Super Mario Advance"
das schönste Spiel der Reihe vorliegen, das ich als Marios süßesten
Traum betrachte und mit unserem Classic Award auszeichne. Die damals
enttäuschten Fans mögen es mir vergeben. ^^
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