Super Mario Advance
Jump´n´run

Minrod
März 08
 

Als erstes Mario-Spiel für den Game Boy Advance konnte "Super Mario Advance" den hohen Erwartungen vieler Fans nicht gerecht werden. Dies hatte zwei Gründe. Erstens ist es ein Remake eines bereits bekannten Mario-Spieles, und zweitens handelt es sich dabei um "Super Mario Bros. 2 - Mario Madness", dem viele Nintendo-Jünger nicht allzu viel abgewinnen können. Dies liegt an der Andersartigkeit der Software, denn streng genommen handelt es sich hierbei um ein modifiziertes "Doki Doki Panic", das Nintendo als Ersatz für die extrem schwere japanische Ausgabe von "Super Mario Bros. 2" für den westlichen Markt gekauft und verändert hatte. Die andere Spielmechanik vermittelt deshalb ein unübliches, ganz fremdes Spielgefühl. Für mich persönlich ist unser "Super Mario Bros. 2", das später als "Super Mario USA" ebenfalls in Japan veröffentlicht wurde, jedoch das beste Spiel der Mario-Reihe. Die Möglichkeit sich wirklich einfach alles greifen und zu Wurfgeschossen umfunktionieren zu können, die vier spielbaren Charaktere Mario, Luigi, Peach (früher Princess Toadstool) und Toad (jap. Kinopio), die riesigen nichtlinearen Welten sowie nicht zuletzt der andersartige und mit orientalischem Touch versehene Grafikstil heben es von den anderen Mario-Spielen deutlich ab und machen es einzigartig. Natürlich liegt es auch daran, dass ich gerade mit diesem Spiel groß geworden bin. Trotzdem kann ich die Enttäuschung der Nintendo-Anhänger, die damals auf ein ganz neues Mario-Abenteuer für den Game Boy Advance gewartet haben, nachvollziehen. Das ständige Aufwärmen alter erfolgreicher Titel kann auf die Dauer auch den treusten Fan ärgerlich stimmen.

Nichtsdestotrotz bietet "Super Mario Advance" die beste und schönste Fassung von Marios Traum, denn das Abenteuer entpuppt sich am Ende als solcher. Auf die detaillierte Beschreibung des Spieles werde ich nun verzichten, dürfte es wohl keinen mehr geben, der "Super Mario Bros. 2" noch nicht kennt. Sollte ich einmal Lust verspüren, werde ich mich im entsprechenden NES-Review mehr als ausführlich darüber auslassen. Stattdessen möchte ich nur alle wichtigen Änderungen gegenüber dem Original aufzeigen, wobei jetzt nicht "Doki Doki Panic" sondern unser "Super Mario Bros. 2" gemeint ist.

Direkt ins Auge fällt die überarbeitete grafische Gestaltung, die auf dem "Super Mario Allstars"-Remake basiert. Die in hellen Pastellfarben gehaltenen Grafiken im 16-Bit-Gewand stehen dem Spiel extrem gut zu Gesicht. Die Schönheitsoperation ist geglückt. Akustisch ist neben den bekannten Melodien eine neue Sprachausgabe zu vernehmen, die den Charakteren etwas mehr Individualität verleiht. So geben beispielsweise Mario und Luigi mit einem italienisch akzentuierten "Mamma mia" den Löffel ab. Die vereinfachte Handhabung und die damit verbundene Entschärfung des Schwierigkeitsgrades wirken sich jedoch am positivsten aus. Muss die Originalfassung mit nur zwei Continues und ohne Speichermöglichkeit auskommen, darf man hier am zuletzt erreichten Spielabschnitt unendlich oft wieder einsteigen. Zwischen den vier Figuren kann außerdem nach jedem Ableben neu gewählt werden, was bei "Super Mario Bros. 2" nur nach dem Erreichen eines neuen Spielabschnitts oder nach einem Game Over möglich ist. Die verbesserte und weitaus präzisere Steuerung sorgt des Weiteren für ein noch besseres Spielvergnügen. Die Unterschiede zwischen den vier Charakteren werden dabei durch Stärke, Geschwindigkeit und Sprungkraft definiert. Mario ist der perfekte Allrounder und der tollpatschige Luigi der Sprungkönig, die zierliche Prinzessin Peach trumpft mit ihrer Schwebefähigkeit auf während Toad den Kraftbolzen darstellt. Besonders große Ausgaben einiger Objekte wie zum Beispiel Riesenrüben, ein gänzlich neuer Endgegner, ein Punktestand, viele neue Geheimräume und Extraleben sowie fünf rote Münzen pro Spielabschnitt, die zur Freischaltung eines neuen Spielmodus dienen, stellen die restlichen Verbesserungen dar.

Wie man sieht, hat Nintendo an dem alten Spiel kräftig herumgeschraubt und es dadurch deutlich aufgepeppt. Die Verantwortlichen müssen aber trotzdem ein schlechtes Gewissen gegenüber der Fan-Gemeinde gehabt haben, als sie ein erneutes Remake des Klassikers beschlossen. Vielleicht bekam "Super Mario Advance" deshalb als Wiedergutmachung noch ein zweites Spiel spendiert: das noch ältere "Mario Bros.", in dem man die Kanalisation von Ungeziefer säubert. Natürlich auch in einer überarbeiteten Fassung und einer umfangreichen Multiplayer-Funktionalität. Ob dies die damalige kollektive Enttäuschung mildern konnte, wage ich zu bezweifeln.

Für mich persönlich habe ich mit "Super Mario Advance" das schönste Spiel der Reihe vorliegen, das ich als Marios süßesten Traum betrachte und mit unserem Classic Award auszeichne. Die damals enttäuschten Fans mögen es mir vergeben. ^^