Ihr mögt gute Jump´n´runs, liebt Pilze über alles,
könnt euch aber mit dem Beruf des Klempners nicht anfreunden? Dann
habe ich etwas Feines für euch. Und zwar "Terry´s Big
Adventure" für den Commodore 64. Von seiner Oma auf Pilzsuche
in den Wald geschickt, muss Terry wieder sicher nach Hause finden. Die
scheinbar harmlose Natur entpuppt sich jedoch als recht tückisch,
so dass der Ausflug schnell zu einem Abenteuer wird. Und zwar zu einem
richtig großen Abenteuer, wie es dem Titel des Spiels zu entnehmen
ist. Und dies könnt ihr wirklich wortwörtlich nehmen.
Der Weg zu Omas sicherer Hütte umfasst zwölf ellenlange Spielabschnitte,
hier Szenen genannt, die für einen kleinen Knirps wie Terry voll
unbekannter Gefahren und Hindernisse stecken. Drollige Käfer und
Raupen, angriffslustige Steine sowie herrenlose Luftballons gestalten
die Rückkehr schwierig. Jede einzige Szene wartet dabei mit neuen
Gemeinheiten auf, so dass das Spiel in der Gesamtheit sehr abwechslungsreich
ausfällt. Die Gegner lassen sich jedoch nicht mit einem gezielten
Sprung ausschalten, wie es beim Vorbild aus dem Hause Nintendo der Fall
ist. Hier kostet jeder noch so winzige Kontakt ein kostbares Leben.
Glücklicherweise geht Terry nie ohne sein Jojo aus dem Haus. Damit
lassen sich fast alle Gegner vertreiben, vorausgesetzt, man stellt sich
geschickt dabei an. Schließlich bringt jeder Jojo-Treffer einen
Rückstoß mit sich, der unseren jungen Helden im ungünstigsten
Fall ins Wasser oder in einen Abgrund befördert. Alternativ darf
Terry auch mit Steinen werfen, diese sind jedoch stark limitiert und
müssen unterwegs aufgelesen werden. Der Wechsel zwischen den beiden
"Waffen" erfolgt jederzeit über die Leertaste.
Eines sollte man sich bei diesem Abenteuer aber immer vor Augen halten:
man wurde ausgesandt, um Pilze zu sammeln. Diese sind in allen Spielabschnitten
reichlich vorhanden und sollten nach Möglichkeit immer aufgesammelt
werden, da sie das Punktekonto reichlich in Wallung bringen. Die häufigen
Standardpilze werden dabei numerisch von 1 bis 99 durchgezählt
und bringen Punkte entsprechend der angezeigten Zahl ein. Beim Verlust
eines Lebens wird die Zählung zurückgesetzt, so dass nur geübte
Spieler in den vollen Genuss dieses Bonussystems gelangen. Seltene Pilze,
die besonders viele Punkte einbringen oder das Zeitkonto aufstocken,
sind gut versteckt, manchmal sogar hinter einer verschlossenen Tür
oder in einem geheimen Bonusraum. Die passenden Schlüssel dazu
besitzen die Gegner, bei Lebensverlust gehen sie jedoch verloren. Des
Weiteren lassen die Monsterchen auch zwei Arten von Buchstaben fallen,
mit denen sich die Wörter "Terry" für kurzzeitige
Unverwundbarkeit sowie "Extra" für ein Zusatzleben bilden
lassen. Zu guter Letzt darf man sich am Ende einer Szene noch in einer
Bonusrunde austoben, in der unter strengem Zeitlimit möglichst
viele Pilze eingesackt werden müssen. Da für je 20.000 Punkte
ein Zusatzleben winkt, ist die Pilzsuche für das Vorwärtskommen
von gravierender Bedeutung, denn schließlich ist der Schwierigkeitsgrad
trotz der pfadfinderfreundlichen Thematik sehr hoch.
An gemein platzierten Hindernissen, die aufgrund des bereits erwähnten
Rückstoßeffektes des Jojos extrem knifflig werden können,
fehlt es dem Spiel nicht. Dies kann in Szenen, die vorwiegend mit kleinen
Plattformen aufwarten, zur Verzweiflung führen. Bis die richtige
Vorgehensweise in derartigen Fällen gefunden wird, ist die Handvoll
Leben recht schnell verbraucht. Zum Glück darf die zuletzt erreichte
Szene unendlich oft wiederholt werden, so dass man mit ausreichend Geduld
und Übung das Spiel meistern kann. Unfaire Stellen sucht man vergebens,
und mit etwas Überlegung lässt sich für jedes Problem
die richtige Lösung finden.
Optisch zeigt sich das Spiel von einer recht bescheidenen, dafür
aber sehr stilvollen Seite. Als Beispiel seien hier die nur aus Linien
bestehenden Bergketten genannt, die sich trotz der maßlosen Schlichtheit
stimmungsvoll in das Gesamtbild einfügen. Akustisch sieht es nicht
anders aus. Mit Ausnahme der kurzen und hektischen Melodie, die nur
in Zeitdruck-Situationen ertönt, wird man ständig von einer
dezenten und angenehmen Weise begleitet. Die Steuerung der Spielfigur
funktioniert tadellos. Dazu sollte man aber noch sagen, dass Terrys
Sprungweite und -höhe vom Anlauf abhängig ist, was den hohen
Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich betont.
Wenn ich in meine C-64-Vergangenheit zurückblicke, so komme ich
nicht umhin an "Terry´s Big Adventure" zu denken. Damals
habe ich es exzessiv gespielt, und es war eine schöne Zeit. Für
mich ist es mit Abstand das beste Jump´n´run für die
kleine Maschine. Da müssen sogar die berühmten "Great
Giana Sisters" das Nachsehen haben.
|