Terry´s Big Adventure
Jump´n´run

Minrod
April 09
 

Ihr mögt gute Jump´n´runs, liebt Pilze über alles, könnt euch aber mit dem Beruf des Klempners nicht anfreunden? Dann habe ich etwas Feines für euch. Und zwar "Terry´s Big Adventure" für den Commodore 64. Von seiner Oma auf Pilzsuche in den Wald geschickt, muss Terry wieder sicher nach Hause finden. Die scheinbar harmlose Natur entpuppt sich jedoch als recht tückisch, so dass der Ausflug schnell zu einem Abenteuer wird. Und zwar zu einem richtig großen Abenteuer, wie es dem Titel des Spiels zu entnehmen ist. Und dies könnt ihr wirklich wortwörtlich nehmen.

Der Weg zu Omas sicherer Hütte umfasst zwölf ellenlange Spielabschnitte, hier Szenen genannt, die für einen kleinen Knirps wie Terry voll unbekannter Gefahren und Hindernisse stecken. Drollige Käfer und Raupen, angriffslustige Steine sowie herrenlose Luftballons gestalten die Rückkehr schwierig. Jede einzige Szene wartet dabei mit neuen Gemeinheiten auf, so dass das Spiel in der Gesamtheit sehr abwechslungsreich ausfällt. Die Gegner lassen sich jedoch nicht mit einem gezielten Sprung ausschalten, wie es beim Vorbild aus dem Hause Nintendo der Fall ist. Hier kostet jeder noch so winzige Kontakt ein kostbares Leben. Glücklicherweise geht Terry nie ohne sein Jojo aus dem Haus. Damit lassen sich fast alle Gegner vertreiben, vorausgesetzt, man stellt sich geschickt dabei an. Schließlich bringt jeder Jojo-Treffer einen Rückstoß mit sich, der unseren jungen Helden im ungünstigsten Fall ins Wasser oder in einen Abgrund befördert. Alternativ darf Terry auch mit Steinen werfen, diese sind jedoch stark limitiert und müssen unterwegs aufgelesen werden. Der Wechsel zwischen den beiden "Waffen" erfolgt jederzeit über die Leertaste.

Eines sollte man sich bei diesem Abenteuer aber immer vor Augen halten: man wurde ausgesandt, um Pilze zu sammeln. Diese sind in allen Spielabschnitten reichlich vorhanden und sollten nach Möglichkeit immer aufgesammelt werden, da sie das Punktekonto reichlich in Wallung bringen. Die häufigen Standardpilze werden dabei numerisch von 1 bis 99 durchgezählt und bringen Punkte entsprechend der angezeigten Zahl ein. Beim Verlust eines Lebens wird die Zählung zurückgesetzt, so dass nur geübte Spieler in den vollen Genuss dieses Bonussystems gelangen. Seltene Pilze, die besonders viele Punkte einbringen oder das Zeitkonto aufstocken, sind gut versteckt, manchmal sogar hinter einer verschlossenen Tür oder in einem geheimen Bonusraum. Die passenden Schlüssel dazu besitzen die Gegner, bei Lebensverlust gehen sie jedoch verloren. Des Weiteren lassen die Monsterchen auch zwei Arten von Buchstaben fallen, mit denen sich die Wörter "Terry" für kurzzeitige Unverwundbarkeit sowie "Extra" für ein Zusatzleben bilden lassen. Zu guter Letzt darf man sich am Ende einer Szene noch in einer Bonusrunde austoben, in der unter strengem Zeitlimit möglichst viele Pilze eingesackt werden müssen. Da für je 20.000 Punkte ein Zusatzleben winkt, ist die Pilzsuche für das Vorwärtskommen von gravierender Bedeutung, denn schließlich ist der Schwierigkeitsgrad trotz der pfadfinderfreundlichen Thematik sehr hoch.

An gemein platzierten Hindernissen, die aufgrund des bereits erwähnten Rückstoßeffektes des Jojos extrem knifflig werden können, fehlt es dem Spiel nicht. Dies kann in Szenen, die vorwiegend mit kleinen Plattformen aufwarten, zur Verzweiflung führen. Bis die richtige Vorgehensweise in derartigen Fällen gefunden wird, ist die Handvoll Leben recht schnell verbraucht. Zum Glück darf die zuletzt erreichte Szene unendlich oft wiederholt werden, so dass man mit ausreichend Geduld und Übung das Spiel meistern kann. Unfaire Stellen sucht man vergebens, und mit etwas Überlegung lässt sich für jedes Problem die richtige Lösung finden.

Optisch zeigt sich das Spiel von einer recht bescheidenen, dafür aber sehr stilvollen Seite. Als Beispiel seien hier die nur aus Linien bestehenden Bergketten genannt, die sich trotz der maßlosen Schlichtheit stimmungsvoll in das Gesamtbild einfügen. Akustisch sieht es nicht anders aus. Mit Ausnahme der kurzen und hektischen Melodie, die nur in Zeitdruck-Situationen ertönt, wird man ständig von einer dezenten und angenehmen Weise begleitet. Die Steuerung der Spielfigur funktioniert tadellos. Dazu sollte man aber noch sagen, dass Terrys Sprungweite und -höhe vom Anlauf abhängig ist, was den hohen Schwierigkeitsgrad noch zusätzlich betont.

Wenn ich in meine C-64-Vergangenheit zurückblicke, so komme ich nicht umhin an "Terry´s Big Adventure" zu denken. Damals habe ich es exzessiv gespielt, und es war eine schöne Zeit. Für mich ist es mit Abstand das beste Jump´n´run für die kleine Maschine. Da müssen sogar die berühmten "Great Giana Sisters" das Nachsehen haben.