Das ausschließlich auf einigen japanischen Computer-Systemen veröffentlichte
und daher bei uns kaum bekannte Spiel "Thunder Force" ist ein
Vertreter der nicht so häufig vorkommenden aus der Vogelperspektive
dargestellten multi-direktional scrollenden Shoot´em up´s.
Das Nachfolgespiel "Thunder Force 2", das ursprünglich
auf dem Sharp X68000 erschienen ist, behielt dieses Konzept bei, wartet
allerdings auch mit einigen seitlich scrollenden Spielabschnitten auf.
Dies war seinerzeit sicherlich eine willkommene Abwechslung, welche das
Spiel viel interessanter machte. Um die Popularität der damals noch
jungen Reihe zu steigern, hat man das Spiel ein Jahr später für
das weltweit vermarktete Sega Mega Drive konvertiert. Da mir leider nur
diese neuere Version von "Thunder Force 2" bekannt ist, steht
auch nur sie hier auf dem Prüfstand. Ergänzend sei an dieser
Stelle aber noch erwähnt, dass die japanische Mega Drive-Fassung
auf den Namen "Thunder Force 2 MD" getauft wurde.
Als Pilot des modernen Kampschiffes Fire Leo 2 Exceliza muss man sich
bei "Thunder Force 2" in fünf actiongeladenen Levels
behaupten, welche mit Ausnahme des letzten jeweils in die Top und Side
View unterteilt sind. Das Ziel der Mission ist die Zerstörung des
riesigen Kriegsschiffes Preareos, das dem Orn Empire gehört und,
wenn es nicht gerade im Einsatz ist, tief unter der Oberfläche
des Planeten Nepura angedockt ist. In der US-Fassung des Spieles heißt
das Schiff übrigens Plealos und man kämpft gegen das Empire
of Lone aus dem Lone Star System, dessen Emperor Reficul schon einmal,
vor achtzehn Jahren um ganz genau zu sein, den friedlichen Planeten
Nebula in einen Krieg verwickelte. Am Anfang fliegt man noch über
dem Planeten Nepura bzw. Nebula, aber mit dem Fortschreiten des Spieles
gelangt man immer tiefer in sein Inneres. Um weiter zu kommen, müssen
in den Top Views immer erst einige feindliche Bodenstationen zerstört
werden. Erst wenn dies bewerkstelligt ist, wechselt das Spiel in die
Side View, wo am Ende der obligatorische Obermotz besiegt werden muss.
Für diese schwere Aufgabe stehen dem kleinen, aber schnellen und
sehr wendigen Fire Leo 2 Exceliza extrem starke und vielseitige Geschosse
zur Verfügung, von denen einige keine Verwendung in den weiteren
Teilen der Reihe mehr fanden, auch wenn das hier definierte Waffensystem
die nachfolgenden Thunder Force-Spiele stark prägte. Die Art der
einsatzbereiten Waffen ist von der Spielperspektive abhängig. Demnach
können einige nur in den Top Views und andere ausschließlich
in den Side Views verwendet werden. Nur die beiden Standardwaffen Twin
Shot und Back Fire bzw. Back Shot, mit denen man am Anfang und bei Verlust
eines Lebens startet, sowie die Waffen Laser und Hunter sind in beiden
Sichten vorhanden. Der Kampf in den Top Views zeichnet sich noch dadurch
aus, dass man dort neben den frontalen Geschützen gleichzeitig
auch noch abwärts gerichtete Geschosse mit einer relativ kurzen
Reichweite abfeuert. Dies ist die elementarste Bewaffnung in diesen
Spielabschnitten, denn die zahlreichen Bodenziele lassen sich nur damit
zerstören. Mit der Waffe Destroy kann dieser Abwärtsangriff
um zwei weitere Bomben ergänzt werden, während man mit Five
Wave, Wide Shot und Clash ziemlich flächendeckende Antworten auf
die feindlichen Luftangriffe parat hat. Die Spielabschnitte aus der
Seitenansicht werden dagegen um die Waffen Wave Shot, Side Blaster,
Nova und Mega Flash ergänzt. Als Krönung der Bewaffnung kann
man die um das Schiff kreisenden Claws ansehen, von denen man maximal
zwei aufnehmen kann. Mit der nur bei "Thunder Force 2" vorkommenden
Fähigkeit Roll kreisen sie zeitweise noch viel schneller als gewöhnlich
um das Raumschiff und bilden einen nahezu undurchdringlichen Schutzschild.
Von den eigentlichen Schutzschilden namens Breaker hat man meistens
nicht allzu viel, da sie zeitlich dermaßen knapp bemessen sind,
dass sie schon fast wieder verschwinden kaum dass man sie aufgenommen
hat.
"Thunder Force 2" weist einen recht knackigen Schwierigkeitsgrad
auf. Zum einen hängt dies von der kurzen Reichweite der Bomben
ab, was ein sehr gewagtes Nähern an die spätestens im vierten
Level aus allen Rohren feuernden Bodenstationen unumgänglich macht,
und zum anderen von der etwas prekären Steuerung in den Top View-Abschnitten.
Diese erlaubt nur das Steuern in die acht Himmelsrichtungen ohne eine
Feinabstufung dazwischen, wodurch sie recht ruckartig wirkt. Bei der
ziemlich schnellen Fluggeschwindigkeit kann man deshalb schnell in Teufels
Küche kommen, vor allem an ziemlich engen Stellen wie z.B. im Höhlenkomplex
des dritten Levels. Mit der Start-Taste kann man das Spiel aber jederzeit
pausieren und währenddessen die Flugrichtung ändern. So eine
abgehackte Spielweise kann wirklich helfen, macht jedoch nicht sonderlich
Spaß. Die Side Views spielen sich dagegen besser, da die Steuerung
dort einwandfrei den Kommandos des Gamepads gehorcht. Um das Spiel letztendlich
aber beenden zu können, muss man sich die optimalen Flugrouten
merken und möglichst viele Leben für die finale Konfrontation
ansammeln, denn der Kampf gegen die Kampffestung Preareos ist alles
andere als ein Zuckerschlecken. Hartnäckige Spieler, die es überhaupt
soweit schaffen, kommen immerhin in den Genuss der besten Grafiken,
die das Spiel zu bieten hat.
Meine Erfahrungen mit "Thunder Force 2" haben mich zu dem
Schluss gebracht, dass dieses Spiel wirklich nur für hartgesottene
Spieler geeignet ist. Es leidet noch an einigen spielerischen Schwächen
und auch die technische Darbietung reizt das Mega Drive nicht gänzlich
aus, so dass eine echte Empfehlung nur für Shoot´em up-Liebhaber
ausgesprochen werden kann.
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