Thunder Force 2
Shoot´em up

Lyrion
Oktober 09

Das ausschließlich auf einigen japanischen Computer-Systemen veröffentlichte und daher bei uns kaum bekannte Spiel "Thunder Force" ist ein Vertreter der nicht so häufig vorkommenden aus der Vogelperspektive dargestellten multi-direktional scrollenden Shoot´em up´s. Das Nachfolgespiel "Thunder Force 2", das ursprünglich auf dem Sharp X68000 erschienen ist, behielt dieses Konzept bei, wartet allerdings auch mit einigen seitlich scrollenden Spielabschnitten auf. Dies war seinerzeit sicherlich eine willkommene Abwechslung, welche das Spiel viel interessanter machte. Um die Popularität der damals noch jungen Reihe zu steigern, hat man das Spiel ein Jahr später für das weltweit vermarktete Sega Mega Drive konvertiert. Da mir leider nur diese neuere Version von "Thunder Force 2" bekannt ist, steht auch nur sie hier auf dem Prüfstand. Ergänzend sei an dieser Stelle aber noch erwähnt, dass die japanische Mega Drive-Fassung auf den Namen "Thunder Force 2 MD" getauft wurde.

Als Pilot des modernen Kampschiffes Fire Leo 2 Exceliza muss man sich bei "Thunder Force 2" in fünf actiongeladenen Levels behaupten, welche mit Ausnahme des letzten jeweils in die Top und Side View unterteilt sind. Das Ziel der Mission ist die Zerstörung des riesigen Kriegsschiffes Preareos, das dem Orn Empire gehört und, wenn es nicht gerade im Einsatz ist, tief unter der Oberfläche des Planeten Nepura angedockt ist. In der US-Fassung des Spieles heißt das Schiff übrigens Plealos und man kämpft gegen das Empire of Lone aus dem Lone Star System, dessen Emperor Reficul schon einmal, vor achtzehn Jahren um ganz genau zu sein, den friedlichen Planeten Nebula in einen Krieg verwickelte. Am Anfang fliegt man noch über dem Planeten Nepura bzw. Nebula, aber mit dem Fortschreiten des Spieles gelangt man immer tiefer in sein Inneres. Um weiter zu kommen, müssen in den Top Views immer erst einige feindliche Bodenstationen zerstört werden. Erst wenn dies bewerkstelligt ist, wechselt das Spiel in die Side View, wo am Ende der obligatorische Obermotz besiegt werden muss. Für diese schwere Aufgabe stehen dem kleinen, aber schnellen und sehr wendigen Fire Leo 2 Exceliza extrem starke und vielseitige Geschosse zur Verfügung, von denen einige keine Verwendung in den weiteren Teilen der Reihe mehr fanden, auch wenn das hier definierte Waffensystem die nachfolgenden Thunder Force-Spiele stark prägte. Die Art der einsatzbereiten Waffen ist von der Spielperspektive abhängig. Demnach können einige nur in den Top Views und andere ausschließlich in den Side Views verwendet werden. Nur die beiden Standardwaffen Twin Shot und Back Fire bzw. Back Shot, mit denen man am Anfang und bei Verlust eines Lebens startet, sowie die Waffen Laser und Hunter sind in beiden Sichten vorhanden. Der Kampf in den Top Views zeichnet sich noch dadurch aus, dass man dort neben den frontalen Geschützen gleichzeitig auch noch abwärts gerichtete Geschosse mit einer relativ kurzen Reichweite abfeuert. Dies ist die elementarste Bewaffnung in diesen Spielabschnitten, denn die zahlreichen Bodenziele lassen sich nur damit zerstören. Mit der Waffe Destroy kann dieser Abwärtsangriff um zwei weitere Bomben ergänzt werden, während man mit Five Wave, Wide Shot und Clash ziemlich flächendeckende Antworten auf die feindlichen Luftangriffe parat hat. Die Spielabschnitte aus der Seitenansicht werden dagegen um die Waffen Wave Shot, Side Blaster, Nova und Mega Flash ergänzt. Als Krönung der Bewaffnung kann man die um das Schiff kreisenden Claws ansehen, von denen man maximal zwei aufnehmen kann. Mit der nur bei "Thunder Force 2" vorkommenden Fähigkeit Roll kreisen sie zeitweise noch viel schneller als gewöhnlich um das Raumschiff und bilden einen nahezu undurchdringlichen Schutzschild. Von den eigentlichen Schutzschilden namens Breaker hat man meistens nicht allzu viel, da sie zeitlich dermaßen knapp bemessen sind, dass sie schon fast wieder verschwinden kaum dass man sie aufgenommen hat.

"Thunder Force 2" weist einen recht knackigen Schwierigkeitsgrad auf. Zum einen hängt dies von der kurzen Reichweite der Bomben ab, was ein sehr gewagtes Nähern an die spätestens im vierten Level aus allen Rohren feuernden Bodenstationen unumgänglich macht, und zum anderen von der etwas prekären Steuerung in den Top View-Abschnitten. Diese erlaubt nur das Steuern in die acht Himmelsrichtungen ohne eine Feinabstufung dazwischen, wodurch sie recht ruckartig wirkt. Bei der ziemlich schnellen Fluggeschwindigkeit kann man deshalb schnell in Teufels Küche kommen, vor allem an ziemlich engen Stellen wie z.B. im Höhlenkomplex des dritten Levels. Mit der Start-Taste kann man das Spiel aber jederzeit pausieren und währenddessen die Flugrichtung ändern. So eine abgehackte Spielweise kann wirklich helfen, macht jedoch nicht sonderlich Spaß. Die Side Views spielen sich dagegen besser, da die Steuerung dort einwandfrei den Kommandos des Gamepads gehorcht. Um das Spiel letztendlich aber beenden zu können, muss man sich die optimalen Flugrouten merken und möglichst viele Leben für die finale Konfrontation ansammeln, denn der Kampf gegen die Kampffestung Preareos ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Hartnäckige Spieler, die es überhaupt soweit schaffen, kommen immerhin in den Genuss der besten Grafiken, die das Spiel zu bieten hat.

Meine Erfahrungen mit "Thunder Force 2" haben mich zu dem Schluss gebracht, dass dieses Spiel wirklich nur für hartgesottene Spieler geeignet ist. Es leidet noch an einigen spielerischen Schwächen und auch die technische Darbietung reizt das Mega Drive nicht gänzlich aus, so dass eine echte Empfehlung nur für Shoot´em up-Liebhaber ausgesprochen werden kann.