Bereits um die Jahrtausendwende für Segas Dreamcast-Konsole angekündigt,
aber auf diesem recht schnell untergegangenen System niemals fertig gestellt,
wurde "Thunder Force 6" letztendlich doch noch auf der Playstation
2 veröffentlicht, wenn auch nur in Japan. Am 30.10.2008, also nahezu
ganze zehn Jahre nach "Thunder Force 5", war es endlich soweit.
An diesem Tag war ich zufällig in Tokio und habe mich zusammen mit
meiner Reisebegleitung direkt nach dem Frühstück auf den Weg
zum Elektronikviertel Akihabara gemacht, um mir eben "Thunder Force
6" zu holen. Gleich im ersten Laden wurde meine große Vorfreude
aber sogleich ein wenig gedämpft, ging da der komplette Bestand dieses
Spieles schon vor unserer Ankunft über die Ladentheke. Also haben
wir schnellstens die Beine in die Hand genommen und uns zum nächsten,
sehr viel größeren Geschäft aufgemacht. Dort wurden wir
glücklicherweise schnell fündig. Einige Minuten später
war ich um ca. 6000 Yen leichter, hatte aber ein Exemplar von "Thunder
Force 6" inklusive einer Soundtrack-Demo-CD im Gepäck. =)
Von Sega unter Lizenz von Twenty-one Tecnosoft, wie der an das neue
Jahrtausend angepasste Name des alten Herstellers nun lautet, entwickelt
und publiziert, sieht das sechste Thunder Force-Kapitel auf den ersten
Blick so aus wie ich mir einst "Thunder Force 5" in meiner
Phantasie ausgemalt habe: sehr schöne bunte Grafiken mit vielen
Spezial- und Lichteffekten, ein starker und fetziger Sound sowie eine
makellos flüssige und schnelle Spielbarkeit. Nach einem zweiten
prüfenden Blick musste ich aber feststellen, dass nicht alles an
"Thunder Force 6" so perfekt ist wie es zunächst den
Anschein hat. In Bezug auf das Leveldesign lässt das Spiel, wie
bereits der Vorgänger auf der Playstation, leider auch einiges
zu wünschen übrig. Ganz simpel und linear gestrickte und zudem
noch relativ kurze Levels stellen für einen geübten Shooter-Profi
gar keine ernstzunehmende Herausforderung dar, und das sogar im normalen
Schwierigkeitsgrad. Das Spiel kann innerhalb einer halben Stunde durch
jedermann locker beendet werden, was noch dadurch begünstigt wird,
dass sich im Optionsmenü die anfängliche Lebenszahl auf neun
Stück aufstocken lässt. Diese Tatsache zehrt ungemein an der
Langzeitmotivation, welche dadurch wirklich nur noch von der vorbildlich
dargebotenen Programmierkunst getragen wird. "Thunder Force 6"
ist halt ein Shooter der neumodernen Schule, der lediglich Spaß
vermitteln und keineswegs frustrieren soll.
Interessant ist dieses Spiel aber trotzdem, vor allem für diejenigen,
die einige der anderen Thunder Force-Spiele zu ihren Favoriten zählen.
Schließlich wird hier der an den fünften Teil anknüpfende
Handlungsstrang weitergesponnen und gipfelt im Kampf gegen den zu Fleisch
gewordenen Orn Emperor. Wenn man sich das Ende von "Thunder Force
5" jetzt nochmals vor Augen führt, so wird man sich erinnern,
dass man dort unter anderem vom dahinschwindenden Bewusstsein der zerstörten,
aber von Cha Os befreiten künstlichen Intelligenz Guardian dringend
aufgefordert wird, den siegreichen RVR-02 Vambrace zu zerstören.
Vambrace wurde ja bekanntlich von Guardian geschaffen, und Guardian,
welcher den gefundenen und mit Cha Os infizierten Vasteel (Rynex) analysierte,
wurde irgendwann von der Macht hinter dem Orn Empire infiltriert. Nach
der Zerstörung von Guardian durch Cenes Crawford stellte der Vambrace
folglich die letztmögliche Zufluchtsstätte für die böse
künstliche Intelligenz Cha Os dar. Dies konnte aber nur Guardian
wissen, daher diese seltsame Aufforderung. Die Menschheit ist ihr wohl
aber nicht gefolgt. Stattdessen veranlasste die Erdregierung die totale
Isolierung der Vasteel-Technologie in einer tiefen unterirdischen Kammer
der nun brachliegenden und inaktiven Forschungsinsel Babel. Und nun,
im Jahr 2161, also etwa zehn Jahre nach dem Kampf gegen Guardian, taucht
wie aus dem Nichts eine außerirdische Streitkraft auf und greift
die Erde ohne Vorwarnung an. Gegen die Kampfkraft der Orn Faust, wie
der Name der feindlichen Streitmacht lautet, sind die irdischen Streitkräfte
vollkommen machtlos und werden erneut, wie bereits im Krieg gegen Guardian,
vernichtend geschlagen. Aber noch scheint nicht alles verloren zu sein,
denn das Auftauchen der Orn Faust löst eine unvorhersehbare Synchronisation
der versiegelten Vasteel-Technologie mit den fremden Invasoren aus,
die bei der regelmäßigen Kontrolle der unterirdischen Kammer
bemerkt wird. Aus diesem Grund wird die Vasteel-Technologie wieder analysiert.
Dabei stößt man auf bisher unbekannte Informationen. Es kommt
endlich heraus, dass Vasteel eigentlich das Kampfschiff Rynex ist, das
vom Galaktischen Bündnis als die ultimative Waffe gegen das böse
Orn Empire entwickelt wurde. Auch eine Warnung vor der bevorstehenden
Invasion des Orn Imperiums sowie vier Weltraumkoordinaten des ehemaligen
Galaktischen Bündnisses werden gefunden. Ohne eine andere Wahl
zu haben wird die Vasteel-Technologie wieder zur Erschaffung einer neuen
Verteidigungswaffe genutzt. Und diese Waffe ist der letzte Hoffnungsträger
für die gesamte Menschheit.
RVR-00 Phoenix - auf diesen Namen wird das neuste Kampfschiff auf der
Basis der Vasteel-Technologie getauft, wie der Feuervogel, der sich
immer wieder aus seiner Asche erhebt. Das Besondere an dieser Entwicklung:
der Phoenix hat gleich alle fünf Waffensysteme und die beiden Craws
(die Abkürzung Craw steht übrigens für Constituted Ray
Art Weapon) standardmäßig an Bord. Dies macht ihn zur stärksten
Thunder Force-Kampfeinheit überhaupt und erspart dem Spieler das
mühsame Aufsammeln der Extrawaffen. Das Einzige, was man mit dem
Phoenix noch auflesen kann, sind Schutzschilde und Zusatzleben. Die
fünf Waffen sind Twin Shot, Back Shot, Wave, Free Range und Hunter.
Nichts Neues also, nur Wave sieht diesmal wieder so wie bei "Thunder
Force 3" aus. Die starke Over Weapon wurde allerdings einer Verbesserung
unterzogen. Bei der Entfaltung ihrer zerstörerischen Kraft greift
sie nicht mehr wie noch bei Teil 5 auf die Energie der Craws sondern
auf die Energie der besiegten Gegner zurück. Für die Zufuhr
dieser Energie ist natürlich der Spieler zuständig, daher
gilt es möglichst alles wegzupusten, was auf dem Bildschirm erscheint.
Der Phoenix kann bis zu sechs Energie-Ladungen für die Over Weapon
speichern, und maximal drei von ihnen können auf einmal in das
gerade aktive Waffensystem injiziert werden. Das Ergebnis bei dieser
dreifach geballten Kraft ist bei jeder Waffe gewaltig und kann eigentlich
bloß als Mega-Inferno bezeichnet und als ein echter Hingucker
gewertet werden. Der Phoenix ist aber nicht das einzige neue Schiff
bei "Thunder Force 6". Am Ende des fünften Levels wird
man Zeuge, wie der Überbleibsel des fünften Endgegners mit
unserem Phoenix zu einem neuen Kampfschiff namens Syrinx fusioniert.
Diese ungewollte Metamorphose macht sich nicht nur optisch bemerkbar,
auch das Waffensystem wird von ihr beeinflusst, was in geringfügigen
Veränderungen einiger Geschütze zur Geltung kommt. Damit man
als Spieler permanent auf den Syrinx zugreifen kann, muss erst das Spiel
mit dem Rynex-R im normalen Schwierigkeitsgrad beendet werden. Rynex-R
ist das zweite spielbare Schiff bei "Thunder Force 6", das
erst freigeschaltet wird, wenn man das Spiel mit dem Phoenix im normalen
Schwierigkeitsgrad schafft, was, wie bereits erwähnt, natürlich
keine große Kunst ist. Beim Rynex-R handelt es sich um eine revidierte
Ausgabe des Schiffes Fire Leo 4 Rynex aus "Thunder Force 4",
und wie im Originalspiel auf dem Sega Mega Drive hat der Rynex-R auch
bloß die beiden Standard-Waffen Twin Shot und Back Shot an Bord.
Die drei anderen Waffen, Blade, eine verbesserte Version von Free Range
und Hunter, sowie die beiden Craws müssen wie bei den anderen Thunder
Force-Spielen erst im Verlauf des Spieles nach und nach aufgesammelt
werden. Aus diesem Grund ist Rynex-R wohl für die Spieler gedacht,
für die sich der Einsatz mit dem Phoenix oder dem Syrinx viel zu
einfach gestaltet. Dasselbe kann man auch noch vom Schwierigkeitsgrad
Maniac sagen, bei dem aus allen Richtungen massiv auf den Spieler geballert
wird und welcher dem Spieler nur eine einzige Fortsetzung gewährt.
Sechs Levels müssen bei "Thunder Force 6" durchflogen
werden, bevor man den finalen Endgegner erreicht. Den Anfang machen
die Jungle Stage, die Flame Stage und die Ocean Stage, deren Reihenfolge
frei gewählt werden kann. Danach fegt man noch über den Hauptplaneten
des ehemaligen Galaktischen Bündnisses, nur um anschließend
das riesige Kampfschiff Cerberus vom Himmel zu holen. Anschließend
wird im finalen Level die ausfindig gemachte Festung des Orn Empires
auseinandergenommen. Einiges an dem Spiel erinnert an die drei Vorgänger,
so dass man stellenweise denken könnte, dass dieses Playstation
2-Werk eine Mischung aus ihnen darstellt. Aber trotz der vielen Anleihen
besitzt "Thunder Force 6" genügend eigene Akzente, um
den passionierten Thunder Force-Jünger bei guter Laune zu halten.
Dazu zählen in erster Linie die allesamt wirklich sehr großen
und fetten Bossgegner. Ob Gargoyle Perfect, Flame Maiden, Cherub Purple,
B3 (Barbaric-Berserk-Beast), Vasteel Nocht oder der mit einem madenartigen
Körper und einem dreiäugigen Baby-Face dargestellte Orn Emperor,
sie alle sind echte Hingucker und zeigen zumindest ganz deutlich wie
Bosskämpfe auszusehen haben. =) Und auch wenn das Spiel in der
Gesamtheit etwas zu kurz geraten ist, hat Sega doch noch einige freizuspielende
Extras eingebaut, welche die Motivation für "Thunder Force
6" etwas länger brennen lassen: Reports, welche die Handlung
erzählen (leider alles auf Japanisch), den Time Attack-Modus, bei
dem man nacheinander gegen alle Endgegner antreten darf, den leicht
in der Spielmechanik modifizierten Neo Style-Modus, drei Titelbildschirme
und mehrere langgestreckte Endings, welche erst zusammen ein Ganzes
ergeben. Und in einem der Endings habe ich die Worte "TO BE CONTINUED"
zu lesen bekommen. Man darf also noch auf eine weitere Fortsetzung hoffen.
=)
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