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Die Viewtiful Joe-Reihe besitzt etwas, das vielen anderen Action-Titeln
in letzter Zeit fehlt: Charisma, Humor, Style sowie ein unverbrauchtes
Setting. Nachdem die ersten beiden Teile für den Game Cube und
die Playstation 2 sich eher mäßig verkauft haben, wurde überraschend
ein Ableger für den Nintendo DS angekündigt. Ob das Konzept
genauso gut auf zwei Bildschirmen funktioniert, erfahrt ihr in diesem
Review.
Story: Schon im zweiten Teil war Joe nicht mehr alleine, sondern wurde
von seiner Freundin Silvia begleitet. In Double Trouble kriegt er ebenfalls
von weiblicher Seite Unterstützung, diesmal aber von seiner frechen
kleinen Schwester Jasmine, die zwar nicht aktiv mitkämpft, ihn
aber anderweitig unterstützt. Beide wollten eigentlich einen tollen
Tag im Vergnügungspark Movieland verbringen. Jungschauspielerin
Jasmine dreht zusammen mit Captain Blue gerade einen Film, als plötzlich
Schurken auftauchen und die Filmrolle stehlen. Der Obermotz hat es nicht
nur auf den Film abgesehen, sondern auch auf die Essenz des Heldentums,
die jedem Superheld innewohnt. Joe, größter Fan von Blue,
kann das natürlich nicht zulassen und verwandelt sich ohne zu Zögern
in Viewtiful Joe, den coolsten Helden aller Zeiten. Die Geschichte ist
durchgehend total abgedreht und strotzt nur so vor Selbstironie sowie
diversen Film- und Spielzitaten, ohne sich mit komplexen Sachverhalten
oder Storytwists aufzuhalten. Alles wird locker und spaßig präsentiert.
Gameplay: Viewtiful Joe ist ein Action-Spiel mit starken Beat´em
up- und Jump´n´run-Elementen. Obwohl die Grafik in schickem
3D glänzt, ist das Spielgeschehen auf Zweidimensionalität
ausgerichtet. Es geht also von links nach rechts durch das skurrile
Movieland. Dabei muss man meistens ein bestimmtes Ziel erreichen, um
in den nächsten Raum zu gelangen. Eine bestimmte Anzahl von Feinden
will besiegt, ein Rätsel gelöst oder eine schwierige Sprungpassage
überwunden werden. Beim Kämpfen stehen Joe grundsätzlich
Schläge und Tritte zur Verfügung. In Kombination mit den Richtungstasten
sowie den Spezialfähigkeiten gewinnt die Prügelei aber durchaus
an Tiefe und lässt genügend Freiraum für Experimente.
Die Fertigkeiten wurden teilweise von den Vorgängern übernommen,
aber es gibt auch reichlich neue Möglichkeiten, die den Touchscreen
einbeziehen. Eine Steuerung, welche gleichzeitig sowohl die Knöpfe
wie auch den Touchscreen nutzt, kann sich jedoch als ganz schön
unhandlich erweisen. Darum wurden die berührungsempfindlichen Elemente
so eingebaut, dass sie ebenfalls mit dem Daumen ausgeführt werden
können, was eigentlich recht gut funktioniert. Wer seinen Bildschirm
schonen möchte, kann natürlich den Touchpen verwenden. Diese
Methode erfordert etwas flottere Finger, ist dafür umso präziser.
Insgesamt kann Joe auf folgende vier Superkräfte zurückgreifen:
Zeitlupe - verlangsamt das Geschehen. Man kann besser ausweichen und
doppelt so viel austeilen.
Kratz - aktiviert einen Modus, in dem man durch Kratzen des Touchscreens
Schaden verursacht. Diese Technik ist nicht besonders genau und macht
keinen allzu großen Spaß, weshalb ich sie kaum verwendet
habe.
Teilen - wie der Name schon sagt, werden durch diese Technik der Bildschirm
oder bestimmte Objekte in der Mitte geteilt. Sie ist sehr wichtig für
viele Rätsel, findet aber auch in einigen Kämpfen Verwendung.
Rutsch - Da der obere Bildschirm meistens das Geschehen im vergrößerten
Zoom darstellt, kann man sich mit Rutsch diesen Ausschnitt nach unten
holen, um sich so größer und stärker zu machen. Diese
Superkraft wird auch für einige Schalter und Kurbeln benötigt.
Für den Einsatz dieser Kräfte steht eine V-Leiste zur Verfügung,
die sich bei Nichtgebrauch automatisch wieder auffüllt. Wer damit
nicht sorgsam umgeht, wird sogar in Joes normale menschliche Form zurückverwandelt.
Durch Hinweise wird immer angezeigt, welche Fähigkeit gerade verwendet
werden sollte. Dies ist zu Beginn des Spieles noch hilfreich und okay,
später hätte ich aber doch lieber mehr Experimentierfreiheit
gehabt. Im normalen Schwierigkeitsgrad sollte das Spiel deshalb niemanden
vor unlösbare Probleme stellen. Mich haben weder die Kämpfe,
noch Sprünge oder Rätsel lange aufgehalten. Wer die Viewtiful
Joe-Spiele gerade wegen der knackigen Herausforderung mag, sollte direkt
auf der schweren Stufe beginnen, um sich nach dem ersten Durchspielen
im noch härteren Schwierigkeitsgrad beweisen zu können.
Das Spiel ist in sechs Kapitel unterteilt, die jeweils ein eignes Thema
aufweisen. Beim Speichern ist auch der Shop zugänglich. Dort können
stylische Moves, Extrawaffen oder neue Herzen erworben werden. Als Währung
dienen die V-Punkte, die am Ende jedes Abschnittes als Belohnung verteilt
werden oder in den Levels versteckt sind. Möglichst schnelles und
elegantes Durchkommen erhöht hier die Einnahmen.
Nach ein paar Stunden ist das Vergnügen aber auch schon zu Ende.
Außer den höheren Schwierigkeitsgraden werden hier keine
sonstigen Extras freigeschaltet. Das ist für mich eigentlich der
einzige wirklich negative Punkt an diesem hervorragenden Spiel. Neue
Kapitel, vielleicht ein Boss-Rush- oder auch ein Mehrspielermodus hätten
dem Spiel mehr Langzeitmotivation beschert und den letzten Schliff verpasst.
Grafik: Auf den ersten Blick lassen sich bis auf die geringere Auflösung
fast keine Unterschiede zu den Konsolen-Vorgängern erkennen, da
Cel-Shading sich hervorragend eignet, um die Technik des Nintendo DS
auszureizen. Im Laufe des Spieles fallen aber natürlich einige
Abstriche auf. So gibt es hier kaum richtig große Effekte und
im Zoom wirken die Figuren etwas steif und pixelig. Das Design ist farbenfroh,
abgedreht und bringt einen zum Schmunzeln. Es gibt viele verschiedene,
mit witzigen Animationen versehene Gegnertypen und im Hintergrund lassen
sich zahlreiche liebevolle Details entdecken.
Musik: Der Soundtrack orientiert sich vom Stil her stark an den Vorgängern
und passt somit perfekt. Soundeffekte und Sprachsamples wurden ebenfalls
übernommen. Auf richtige Dialoge wurde leider verzichtet. Schade,
denn die ulkigen Sprüche machen als Text nur halb soviel her.
Fazit: Dieses Spiel ist einfach viewtiful! Die Mischung aus Kämpfen
und Rätseln ist wirklich abwechslungsreich. Technisch kann der
DS seine Muskeln spielen lassen. Trotzdem schmerzen der zu geringe Umfang
sowie das Fehlen von Zusatzinhalten. Vielleicht das nächste Mal,
wenn es wieder heißt: HENSHIN-A-GO-GO-BABY!!!
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