Viewtiful Joe - Double Trouble
Action


Patricia
November 09

 


Die Viewtiful Joe-Reihe besitzt etwas, das vielen anderen Action-Titeln in letzter Zeit fehlt: Charisma, Humor, Style sowie ein unverbrauchtes Setting. Nachdem die ersten beiden Teile für den Game Cube und die Playstation 2 sich eher mäßig verkauft haben, wurde überraschend ein Ableger für den Nintendo DS angekündigt. Ob das Konzept genauso gut auf zwei Bildschirmen funktioniert, erfahrt ihr in diesem Review.

Story: Schon im zweiten Teil war Joe nicht mehr alleine, sondern wurde von seiner Freundin Silvia begleitet. In Double Trouble kriegt er ebenfalls von weiblicher Seite Unterstützung, diesmal aber von seiner frechen kleinen Schwester Jasmine, die zwar nicht aktiv mitkämpft, ihn aber anderweitig unterstützt. Beide wollten eigentlich einen tollen Tag im Vergnügungspark Movieland verbringen. Jungschauspielerin Jasmine dreht zusammen mit Captain Blue gerade einen Film, als plötzlich Schurken auftauchen und die Filmrolle stehlen. Der Obermotz hat es nicht nur auf den Film abgesehen, sondern auch auf die Essenz des Heldentums, die jedem Superheld innewohnt. Joe, größter Fan von Blue, kann das natürlich nicht zulassen und verwandelt sich ohne zu Zögern in Viewtiful Joe, den coolsten Helden aller Zeiten. Die Geschichte ist durchgehend total abgedreht und strotzt nur so vor Selbstironie sowie diversen Film- und Spielzitaten, ohne sich mit komplexen Sachverhalten oder Storytwists aufzuhalten. Alles wird locker und spaßig präsentiert.

Gameplay: Viewtiful Joe ist ein Action-Spiel mit starken Beat´em up- und Jump´n´run-Elementen. Obwohl die Grafik in schickem 3D glänzt, ist das Spielgeschehen auf Zweidimensionalität ausgerichtet. Es geht also von links nach rechts durch das skurrile Movieland. Dabei muss man meistens ein bestimmtes Ziel erreichen, um in den nächsten Raum zu gelangen. Eine bestimmte Anzahl von Feinden will besiegt, ein Rätsel gelöst oder eine schwierige Sprungpassage überwunden werden. Beim Kämpfen stehen Joe grundsätzlich Schläge und Tritte zur Verfügung. In Kombination mit den Richtungstasten sowie den Spezialfähigkeiten gewinnt die Prügelei aber durchaus an Tiefe und lässt genügend Freiraum für Experimente. Die Fertigkeiten wurden teilweise von den Vorgängern übernommen, aber es gibt auch reichlich neue Möglichkeiten, die den Touchscreen einbeziehen. Eine Steuerung, welche gleichzeitig sowohl die Knöpfe wie auch den Touchscreen nutzt, kann sich jedoch als ganz schön unhandlich erweisen. Darum wurden die berührungsempfindlichen Elemente so eingebaut, dass sie ebenfalls mit dem Daumen ausgeführt werden können, was eigentlich recht gut funktioniert. Wer seinen Bildschirm schonen möchte, kann natürlich den Touchpen verwenden. Diese Methode erfordert etwas flottere Finger, ist dafür umso präziser. Insgesamt kann Joe auf folgende vier Superkräfte zurückgreifen:

Zeitlupe - verlangsamt das Geschehen. Man kann besser ausweichen und doppelt so viel austeilen.
Kratz - aktiviert einen Modus, in dem man durch Kratzen des Touchscreens Schaden verursacht. Diese Technik ist nicht besonders genau und macht keinen allzu großen Spaß, weshalb ich sie kaum verwendet habe.
Teilen - wie der Name schon sagt, werden durch diese Technik der Bildschirm oder bestimmte Objekte in der Mitte geteilt. Sie ist sehr wichtig für viele Rätsel, findet aber auch in einigen Kämpfen Verwendung.
Rutsch - Da der obere Bildschirm meistens das Geschehen im vergrößerten Zoom darstellt, kann man sich mit Rutsch diesen Ausschnitt nach unten holen, um sich so größer und stärker zu machen. Diese Superkraft wird auch für einige Schalter und Kurbeln benötigt.

Für den Einsatz dieser Kräfte steht eine V-Leiste zur Verfügung, die sich bei Nichtgebrauch automatisch wieder auffüllt. Wer damit nicht sorgsam umgeht, wird sogar in Joes normale menschliche Form zurückverwandelt. Durch Hinweise wird immer angezeigt, welche Fähigkeit gerade verwendet werden sollte. Dies ist zu Beginn des Spieles noch hilfreich und okay, später hätte ich aber doch lieber mehr Experimentierfreiheit gehabt. Im normalen Schwierigkeitsgrad sollte das Spiel deshalb niemanden vor unlösbare Probleme stellen. Mich haben weder die Kämpfe, noch Sprünge oder Rätsel lange aufgehalten. Wer die Viewtiful Joe-Spiele gerade wegen der knackigen Herausforderung mag, sollte direkt auf der schweren Stufe beginnen, um sich nach dem ersten Durchspielen im noch härteren Schwierigkeitsgrad beweisen zu können.

Das Spiel ist in sechs Kapitel unterteilt, die jeweils ein eignes Thema aufweisen. Beim Speichern ist auch der Shop zugänglich. Dort können stylische Moves, Extrawaffen oder neue Herzen erworben werden. Als Währung dienen die V-Punkte, die am Ende jedes Abschnittes als Belohnung verteilt werden oder in den Levels versteckt sind. Möglichst schnelles und elegantes Durchkommen erhöht hier die Einnahmen.

Nach ein paar Stunden ist das Vergnügen aber auch schon zu Ende. Außer den höheren Schwierigkeitsgraden werden hier keine sonstigen Extras freigeschaltet. Das ist für mich eigentlich der einzige wirklich negative Punkt an diesem hervorragenden Spiel. Neue Kapitel, vielleicht ein Boss-Rush- oder auch ein Mehrspielermodus hätten dem Spiel mehr Langzeitmotivation beschert und den letzten Schliff verpasst.

Grafik: Auf den ersten Blick lassen sich bis auf die geringere Auflösung fast keine Unterschiede zu den Konsolen-Vorgängern erkennen, da Cel-Shading sich hervorragend eignet, um die Technik des Nintendo DS auszureizen. Im Laufe des Spieles fallen aber natürlich einige Abstriche auf. So gibt es hier kaum richtig große Effekte und im Zoom wirken die Figuren etwas steif und pixelig. Das Design ist farbenfroh, abgedreht und bringt einen zum Schmunzeln. Es gibt viele verschiedene, mit witzigen Animationen versehene Gegnertypen und im Hintergrund lassen sich zahlreiche liebevolle Details entdecken.

Musik: Der Soundtrack orientiert sich vom Stil her stark an den Vorgängern und passt somit perfekt. Soundeffekte und Sprachsamples wurden ebenfalls übernommen. Auf richtige Dialoge wurde leider verzichtet. Schade, denn die ulkigen Sprüche machen als Text nur halb soviel her.

Fazit: Dieses Spiel ist einfach viewtiful! Die Mischung aus Kämpfen und Rätseln ist wirklich abwechslungsreich. Technisch kann der DS seine Muskeln spielen lassen. Trotzdem schmerzen der zu geringe Umfang sowie das Fehlen von Zusatzinhalten. Vielleicht das nächste Mal, wenn es wieder heißt: HENSHIN-A-GO-GO-BABY!!!