Willkommen im Club der goldgierigsten und niederträchtigsten Bösewichte,
willkommen bei "Wario Land 4", dem gemeinsten Game Boy Advance-Spiel,
das es je gab. Wario, der Meister der Unverschämtheit, gibt sich
zum vierten Mal in einem Jump´n´run die Ehre, und wie immer
nur mit dem Ziel sein Vermögen zu mehren. Diesmal verschlägt
es ihn in eine neu entdeckte Pyramide. Ohne sich über die damit verbundenen
Gefahren zu sorgen, gibt er breit grinsend der seligen Verlockung des
Goldes nach.
Das Abenteuer umfasst 16 knallbunte und sehr vielfältige Spielabschnitte,
das anfängliche Tutorial, die letzte Herausforderung sowie alle
Bosskämpfe nicht mitgezählt. Sie sind in vier thematische
Bereiche gegliedert, präsentieren sich innerhalb dieser allerdings
sowohl grafisch wie auch spielmechanisch dermaßen unterschiedlich,
dass der gemeinsame Nenner erstmal gar nicht richtig auffällt.
Dabei müssen rohe Gewalt und Köpfchen in Einklang gebracht
werden, will man in jedem Level die gut versteckten Bonusräume
und somit zusätzliche Schätze aufspüren. Schließlich
will man in jedem Level möglichst viel Kohle schaufeln! Dazu stehen
Wario etliche Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung, die weit
über seine beliebte Rempelattacke hinausgehen. Standardmäßig
ist unser bescheidener Mister Universum sich auch für saftige Arschbomben
nicht zu schade, wirft gerne alles und jeden durch Luft, mäht notfalls
unliebsame Hindernisse mit einer Rolle nieder oder setzt sich bei besonders
harten Brocken einfach mit dem Kopf durch. Aber dies ist bei weitem
noch nicht alles, denn bestimmte Pyramidenbewohner oder -objekte befähigen
ihn zu neuen Aktionen. So steigt er nach einem Bienenstich aufgedunsen
in die Luft oder versinkt nach einem Kontakt mit einem Untoten als Zombie
im Boden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Dass Nintendo all dies im
Leveldesign berücksichtigt hat, dürfte wohl selbstverständlich
sein, einige Spielabschnitte glänzen aber noch mit ganz speziellen
Besonderheiten. Als Beispiel sei der Domino-Level genannt, in dem man
Wettrennen gegen fallende Dominosteine bestreiten muss. So möchte
ich an dieser Stelle bereits festhalten, dass "Wario Land 4"
extrem abwechslungsreich ist.
Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht, denn
neben Schätzen müssen in jedem Level unbedingt vier Truhen
mit speziellen Kristallsplittern aufgespürt werden, die den Zugang
zum Endgegner des jeweiligen Bereichs ebnen. Ein Schlüssel zur
Öffnung des nächsten Spielabschnitts ist ebenfalls unerlässlich,
während die teilweise sehr gut versteckten silbernen Truhen mit
einer Musik-CD nur als Bonusmaterial dienen und deshalb vernachlässigt
werden können. Ein ganz wichtiges Spielelement stellt aber der
Schalter dar, der am Ende eines jeden Spielabschnitts zu finden ist,
da er den verschlossenen Zugang am Levelanfang wieder öffnet. Das
war die gute Nachricht. Zusätzlich wird noch eine Bombe installiert,
die den gesamten Spielabschnitt in wenigen Minuten in die Luft jagt.
Der Rückweg muss daher unter einem recht gut bemessenen Zeitlimit
gelingen, will man nicht mit leeren Händen aus dem Level rausfliegen.
Der Schaltermechanismus ändert dabei auch gerne die Levelstruktur,
indem bestimmte Wege verschlossen und unbekannte geöffnet werden.
So bleibt die Spannung stets erhalten. ^^ Ungeübte Spieler können
dies aber durchaus als stressig empfinden.
Nachdem man alle vier Levels eines Bereiches der Pyramide erfolgreich
hinter sich gebracht hat, kann man sich dem jeweiligen Boss zum Zweikampf
stellen. Zuvor darf aber noch ein Shop aufgesucht werden, in dem man
gegen spezielle Münzen Unterstützung erwerben kann. Die zum
Shoppen benötigten Moneten können jedoch nirgends gefunden
sondern müssen erspielt werden. Dies tut man in einer kleinen Spielhalle
mit drei netten Minispielen. Der Einsatz ist jedoch recht hoch und wird
vom eigenen Geldkonto abgezogen. Da die Bossgegner aber nicht allzu
schwer sind, kann man sich den ganzen Aufwand sparen. Dafür fallen
die Bosskämpfe unheimlich extravagant und spaßig aus, müssen
allerdings auch innerhalb eines Zeitlimits ausgefochten werden. Dabei
ist es wichtig die Endgegner möglicht schnell und elegant in den
Boden zu stampfen, da die von ihnen bewachten Truhen nach und nach auf
Nimmerwiedersehen verschwinden, was letztendlich die Endsequenz beeinträchtigt.
Technisch präsentiert sich "Wario Land 4" von seiner
Schokoladenseite. Die liebevoll gestaltete Bitmap-Grafik überzeugt
auf Schritt und Tritt. Überall gibt es kleine Nettigkeiten zu entdecken,
die das Auge des Betrachters erfreuen. Wario selbst schneidet ständig
irgendwelche blöden Grimassen, die immer wieder köstlich amüsieren.
Hier und da wird die Optik von einigen 3D-Effekten unterstützt,
die sich anstandslos in das knallige Farbenfeuerwerk einfügen.
Musikalisch verhält es sich nicht viel anders. Die kuriose Musik
passt zum bunten Treiben perfekt und weist einige lustige Sprachsamples
auf. Stellenweise ertönt sogar ein gesungenes Lied. :)
Nichtsdestotrotz weist das Spiel eine Schwäche auf, den viel zu
niedrigen Schwierigkeitsgrad. Dies hängt mit der Einführung
eines gut gepolsterten Energiebalkens zusammen und dem damit verbundenen
Wegfall von Instant-Deaths. Man muss also keine Angst mehr vor Fehltritten
haben, die einen anderenfalls sofort das einzige Leben gekostet hätten.
Erfahrene Jump´n´run-Spieler werden "Wario Land 4"
deshalb als zu leicht empfinden. Andererseits hebt dies die Reihe etwas
mehr als gewohnt von den verhassten Mario-Spielen ab und bereitet trotzdem
höllisch viel Vergnügen.
"Wario Land 4" gehört somit in wirklich jede ernstgemeinte
Game Boy Advance-Sammlung, zumal es das einzige exklusive Jump´n´run-Spiel
aus der Nintendo-Schmiede für dieses System ist. Der Stümper
Mario musste sich dagegen mit vier altbackenen Remakes zufrieden geben!
HA-HA-ha-ha! Wario Rules!
PS: Der japanischen Ausgabe des Spieles liegt sogar noch ein Bogen
mit goldenen Häufchen-Stickern bei, mit denen sich unliebsame Genossen
bestens brandmarken lassen. ^^
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