Wario Land 4
Jump´n´run

Minrod
September 09
 

Willkommen im Club der goldgierigsten und niederträchtigsten Bösewichte, willkommen bei "Wario Land 4", dem gemeinsten Game Boy Advance-Spiel, das es je gab. Wario, der Meister der Unverschämtheit, gibt sich zum vierten Mal in einem Jump´n´run die Ehre, und wie immer nur mit dem Ziel sein Vermögen zu mehren. Diesmal verschlägt es ihn in eine neu entdeckte Pyramide. Ohne sich über die damit verbundenen Gefahren zu sorgen, gibt er breit grinsend der seligen Verlockung des Goldes nach.

Das Abenteuer umfasst 16 knallbunte und sehr vielfältige Spielabschnitte, das anfängliche Tutorial, die letzte Herausforderung sowie alle Bosskämpfe nicht mitgezählt. Sie sind in vier thematische Bereiche gegliedert, präsentieren sich innerhalb dieser allerdings sowohl grafisch wie auch spielmechanisch dermaßen unterschiedlich, dass der gemeinsame Nenner erstmal gar nicht richtig auffällt. Dabei müssen rohe Gewalt und Köpfchen in Einklang gebracht werden, will man in jedem Level die gut versteckten Bonusräume und somit zusätzliche Schätze aufspüren. Schließlich will man in jedem Level möglichst viel Kohle schaufeln! Dazu stehen Wario etliche Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung, die weit über seine beliebte Rempelattacke hinausgehen. Standardmäßig ist unser bescheidener Mister Universum sich auch für saftige Arschbomben nicht zu schade, wirft gerne alles und jeden durch Luft, mäht notfalls unliebsame Hindernisse mit einer Rolle nieder oder setzt sich bei besonders harten Brocken einfach mit dem Kopf durch. Aber dies ist bei weitem noch nicht alles, denn bestimmte Pyramidenbewohner oder -objekte befähigen ihn zu neuen Aktionen. So steigt er nach einem Bienenstich aufgedunsen in die Luft oder versinkt nach einem Kontakt mit einem Untoten als Zombie im Boden, um nur zwei Beispiele zu nennen. Dass Nintendo all dies im Leveldesign berücksichtigt hat, dürfte wohl selbstverständlich sein, einige Spielabschnitte glänzen aber noch mit ganz speziellen Besonderheiten. Als Beispiel sei der Domino-Level genannt, in dem man Wettrennen gegen fallende Dominosteine bestreiten muss. So möchte ich an dieser Stelle bereits festhalten, dass "Wario Land 4" extrem abwechslungsreich ist.

Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht, denn neben Schätzen müssen in jedem Level unbedingt vier Truhen mit speziellen Kristallsplittern aufgespürt werden, die den Zugang zum Endgegner des jeweiligen Bereichs ebnen. Ein Schlüssel zur Öffnung des nächsten Spielabschnitts ist ebenfalls unerlässlich, während die teilweise sehr gut versteckten silbernen Truhen mit einer Musik-CD nur als Bonusmaterial dienen und deshalb vernachlässigt werden können. Ein ganz wichtiges Spielelement stellt aber der Schalter dar, der am Ende eines jeden Spielabschnitts zu finden ist, da er den verschlossenen Zugang am Levelanfang wieder öffnet. Das war die gute Nachricht. Zusätzlich wird noch eine Bombe installiert, die den gesamten Spielabschnitt in wenigen Minuten in die Luft jagt. Der Rückweg muss daher unter einem recht gut bemessenen Zeitlimit gelingen, will man nicht mit leeren Händen aus dem Level rausfliegen. Der Schaltermechanismus ändert dabei auch gerne die Levelstruktur, indem bestimmte Wege verschlossen und unbekannte geöffnet werden. So bleibt die Spannung stets erhalten. ^^ Ungeübte Spieler können dies aber durchaus als stressig empfinden.

Nachdem man alle vier Levels eines Bereiches der Pyramide erfolgreich hinter sich gebracht hat, kann man sich dem jeweiligen Boss zum Zweikampf stellen. Zuvor darf aber noch ein Shop aufgesucht werden, in dem man gegen spezielle Münzen Unterstützung erwerben kann. Die zum Shoppen benötigten Moneten können jedoch nirgends gefunden sondern müssen erspielt werden. Dies tut man in einer kleinen Spielhalle mit drei netten Minispielen. Der Einsatz ist jedoch recht hoch und wird vom eigenen Geldkonto abgezogen. Da die Bossgegner aber nicht allzu schwer sind, kann man sich den ganzen Aufwand sparen. Dafür fallen die Bosskämpfe unheimlich extravagant und spaßig aus, müssen allerdings auch innerhalb eines Zeitlimits ausgefochten werden. Dabei ist es wichtig die Endgegner möglicht schnell und elegant in den Boden zu stampfen, da die von ihnen bewachten Truhen nach und nach auf Nimmerwiedersehen verschwinden, was letztendlich die Endsequenz beeinträchtigt.

Technisch präsentiert sich "Wario Land 4" von seiner Schokoladenseite. Die liebevoll gestaltete Bitmap-Grafik überzeugt auf Schritt und Tritt. Überall gibt es kleine Nettigkeiten zu entdecken, die das Auge des Betrachters erfreuen. Wario selbst schneidet ständig irgendwelche blöden Grimassen, die immer wieder köstlich amüsieren. Hier und da wird die Optik von einigen 3D-Effekten unterstützt, die sich anstandslos in das knallige Farbenfeuerwerk einfügen. Musikalisch verhält es sich nicht viel anders. Die kuriose Musik passt zum bunten Treiben perfekt und weist einige lustige Sprachsamples auf. Stellenweise ertönt sogar ein gesungenes Lied. :)

Nichtsdestotrotz weist das Spiel eine Schwäche auf, den viel zu niedrigen Schwierigkeitsgrad. Dies hängt mit der Einführung eines gut gepolsterten Energiebalkens zusammen und dem damit verbundenen Wegfall von Instant-Deaths. Man muss also keine Angst mehr vor Fehltritten haben, die einen anderenfalls sofort das einzige Leben gekostet hätten. Erfahrene Jump´n´run-Spieler werden "Wario Land 4" deshalb als zu leicht empfinden. Andererseits hebt dies die Reihe etwas mehr als gewohnt von den verhassten Mario-Spielen ab und bereitet trotzdem höllisch viel Vergnügen.

"Wario Land 4" gehört somit in wirklich jede ernstgemeinte Game Boy Advance-Sammlung, zumal es das einzige exklusive Jump´n´run-Spiel aus der Nintendo-Schmiede für dieses System ist. Der Stümper Mario musste sich dagegen mit vier altbackenen Remakes zufrieden geben! HA-HA-ha-ha! Wario Rules!

PS: Der japanischen Ausgabe des Spieles liegt sogar noch ein Bogen mit goldenen Häufchen-Stickern bei, mit denen sich unliebsame Genossen bestens brandmarken lassen. ^^