Windjammers
Geschicklichkeit (Sport)

Alter Drache
Februar 05
 

Beginnen wir doch mal ein Pixel-Heroes-Review mit einem Zitat einer nicht unwesentlichen deutschen Sprechgesang-Combo: "Sommer, Sonne, Sonnenschein ziehe ich mir furchtbar gerne rein" - Japp, so isses. Und Neo Geo-Spiele zieh ich mir mindestens ebenso gerne rein. Warum also keine Kombination aus beidem, nä? Wer jetzt denkt, auf SNK´s Edelkonsole gab es ein Pendant zum bekannt-berüchtigten "Dead or Alive Beach Volleyball", so à la "Strandparty, Pseudo-Sportspiel und Doku-Soap-Simulation mit den King of Fighters-Chicks", der hat sich dann aber doch ganz gewaltig geschnitten.

Aber es gibt "Windjammers". Und Windjammers ist geil.

Bleibt die Frage, worum es bei Windjammers geht. Und vor allem: was hat Windjammers mit sommerlichen Freuden zu tun? Nun... was macht man denn im Sommer so? Ja, Frauen aufreißen, klar, aber eigentlich völlig daneben. Wobei... Wo kommt man denn im Sommer - einen ansehnlichen Körperbau vorausgesetzt - am besten an die holde Weiblichkeit ran, hm? Richtig, im Freibad, oder noch besser: am Strand. Und was macht man im Freibad oder am Strand? Also außer baden, Bräute anbaggern, oder sich mit den Kumpels vollaufen lassen, versteht sich... Genau! Man spielt ein wenig Frisbee oder Volleyball. Das macht Spaß, ist gesund, und wenn man sich athletisch genug anstellt, schindet man obendrein noch ordentlich Eindruck bei gutaussehenden Frauen (Anm. des Verf.: Ja, ich weiß, viel zu viele Seitenblicke in Richtung Frauen und Sex - aber hey, ich bin Videospieler, ich hab´s nötig, also was erwartet Ihr? ;-) )

Genau. Frisbee und Volleyball, am besten noch eine Mixtur aus beiden. Darum geht es bei Windjammers. (WOW, was für eine Überleitung - Lobpreiset mich.)

Gut, also dann wäre das geklärt. Kommen wir zum sachlichen Teil: bei Windjammers stehen sich auf einem Spielfeld, auf zwei Seiten eines Netzes, zwei Spieler gegenüber. Hinter den Spielflächen jedes Spielers befinden sich je zwei gelbe Tore und ein rotes Tor. Gelbe Tore geben drei Punkte, rote fünf Punkte. Äh? Ach so - die Punkte gibt´s, wenn man sie mit einem geworfenen Frisbee trifft. Außerdem hat das Spielfeld noch Banden, an denen das Frisbee abprallen kann. Und wenn das Frisbee auf den Boden fällt, gibt´s immerhin zwei Punkte. Also im Prinzip eine Mischung aus Volleyball und Frisbee. Aber das erwähnte ich bereits.

Klingt einfach, eh? Ist es auch. Und weil´s so einfach ist, hah - vermutlich haben sich die Programmierer auch noch gedacht "Hah, das ist ja so dermaßen einfach, da können wir den Spielern noch ein paar kleine Nettigkeiten mitgeben." Und das haben sie auch getan.

Fassen wir´s mal zusammen, was es so gibt:
Mit Knopf A und dem Joystick in die gewünschte Richtung werfen wir das Frisbee. Mit Knopf A können wir auch, wenn der Gegner die Scheibe geworfen hat, schnell auf dem Boden in Richtung Frisbee rutschen. Wir können aber auch A kurz gedrückt halten, dann blocken wir den Diskus, er fliegt kurz hoch in die Luft, und wir können ihn fangen. Und während wir warten, bis uns die Scheibe in die Hände fällt, können wir uns auf einen - ja, es ist halt ein NG-Spiel - Special-Move vorbereiten. Das geht ganz automatisch, Hauptsache, es ist genug Zeit. Da fliegt der Frisbee schon mal Zick-Zack oder dreht fiese Kreisbahnen. Wir können ihm aber auch einen Drall zur Seite geben. Das tun wir, indem wir eine Kreisbewegung mit dem Joystick ausführen, während wir werfen - als NG-Spieler sind wir das ohnehin von den unzähligen Prüglern gewohnt. Und - und das ist eigentlich so einfach, dass man´s eigentlich am Anfang dieser Aufzählung erwartet hätte - wir können Härte und Geschwindigkeit des Wurfs beeinflussen. Je früher wir nach dem Fangen A drücken, desto schneller der Wurf. Und wenn wir genau in dem Moment drücken, in dem wir fangen, gibt´s den "Super Sonic Throw" - ein wirklich **sehr** schneller Wurf, bei dem die Scheibe als optischen Leckerbissen noch einen Schatten hinter sich herzieht. Und wenn wir diesen Wurf als Konter zu einem Special des Gegners anbringen, verwandelt er sich - ohne lästiges Vorbereiten - direkt in den selben Special des Gegners und fliegt diesem mit höllischer Geschwindigkeit um die Ohren. So hart, dass es den Gegner meist ein gutes Stück nach hinten prescht, wenn er sie fängt. Manchmal sogar in sein eigenes Tor - die Punkte kriegen wir trotzdem.

Erstaunlich, was man alles mit einem Joystick und lediglich einem Knopf machen kann, hm? Aber Knopf B wird auch noch hin und wieder benutzt: damit können wir zum einen das Frisbee hoch spielen - so dass es direkt auf dem Boden landet und wir zwei Punkte kassieren, wenn der Gegner nicht fängt. Und wir können mit B, wenn die eigene Figur "aufgeladen" ist, einen alternativen Special aktivieren. Das war´s dann aber auch schon an Steuerung.

Und das war es dann auch schon, was man zum Spielinhalt wissen muss. Wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass es sechs Spieler unterschiedlicher Nationalität gibt, von der Japanerin Mita bis zum deutschen Klaus Wessel. Die unterscheiden sich hinsichtlich Laufgeschwindigkeit, Härte des Wurfs und Specials. Und es gibt sechs Spielfelder - vom Strand über Fußball-Rasen und Tennis-Sand bis hin zu einem Betonplatz. Die unterscheiden sich in puncto Größe und Torgröße, und einige davon haben sogar noch Hindernisse am Netz, an denen das Frisbee abprallen kann. Spielt man gegen den Computer, gibt es nach dem zweiten und vierten Match je eine Bonusrunde. In der ersten darf man als Hund das Frisbee fangen, in der zweiten spielt man Bowling mit der Scheibe.
Aber gegen den Computer ist das Spiel recht schnell öde. Glücklich schätzen darf man sich, wenn man einen Mitspieler zur Hand hat: dann erst macht Windjammers so richtig Laune. Vor allem ist es extrem leicht zu lernen, die Steuerung hat man schon nach wenigen Würfen intus - selbst Videospielemuffel laufen leicht Gefahr, süchtig zu werden. Somit ist es das ideale Party-Spiel.

Was vergessen? Ach ja, den Kram, den ich sonst immer ellenlang bei meinen Reviews beschreibe: nämlich Grafik und Sound. Machen wir´s kurz: die Grafik ist zweckmäßig und nett, wäre aber selbst auf einem Sega Mega Drive schlicht und ergreifend Mist. Der Sound dudelt nett-belanglos vor sich hin, ist aber, außer einigen netten Sprachsamples, ebenfalls für die Tonne.

Ist aber auch völlig wurscht bei solch einem fesselnden Spielchen - oder würde irgendjemand bei Tetris hochauflösende 3D-Grafik und orchestralen Dolby-Surround-Sound vermissen? Eben.

Bleibt ein geniales, kurzweiliges Party-Spiel, vorausgesetzt, man hat Mitspieler. So genial und kurzweilig, dass man auch auf Sommer, Strand und Frauen verzichten kann. Und außerdem kann man sich nebenher noch bedenkenlos mit den Kumpels vollaufen lassen, ohne Gefahr zu laufen, sich vor gutaussehenden spärlich bekleideten Frauen zu blamieren, hrhrhrhr...
Trotzdem "nur" neun Punkte, da der Einzelspielermodus wie gesagt zu schnell langweilig wird.