Als ich erfuhr, dass Wonder Boy in Monster World (Wonder Boy 5) gekonnt
Action-, Jump´n´run- sowie Rollenspielelemente miteinander
verbindet, hat es auf Anhieb mein Interesse geweckt. Bei der Beschaffung
des Spieles musste ich mich für eine Fassung entscheiden, denn neben
dem Mega Drive-Original gibt es noch eine abgespeckte Master System-Version
sowie ein PC Engine-Remake mit CD-Musik, Anime-Intro und neuem Insektenlook.
Letztendlich fiel meine Wahl auf das Mega Drive-Spiel, das ich in diesem
Review näher beleuchten werde.
Shion ist ein junger Held auf der Suche nach Abenteuern, als plötzlich
seine friedliche Umgebung von Monstern überflutet und die örtliche
Prinzessin entführt wird. Selbstverständlich macht er sich
sofort zu ihrer Befreiung auf, womit er sich eine langwierige Mission
quer durch das ganze Land einhandelt. Zugegeben, die Geschichte stellt
mit Sicherheit nicht die Stärke des Spieles dar. Sie ist sehr einfach
gestrickt und dient lediglich als nette Rahmenhandlung.
Das meiste Herzblut wurde ins Gameplay des aus der Seitenperspektive
ablaufenden Spieles gesteckt. Nach dem Verlassen des eigenen Häuschens
kriegt man nicht nur die ersten Monster sondern auch andere Behausungen
zu sehen. Sie können jederzeit durch die Tür betreten werden,
indem man die Richtungstaste nach oben drückt. Dabei verschwindet
die vordere Wand und man wirft einen Blick ins Innere. Im ersten kurzen
Spielabschnitt muss Shion es aber nicht nur mit putzigen Kreaturen aufnehmen,
sondern auch einige Hüpfpassagen überwinden. Als Ruhepol zwischen
den Dungeons und Außenarealen dienen mehrere kleine Dörfer
sowie eine größere Stadt samt Schloss. Die Dörfer sind
wirklich überschaubar, bieten aber alles, was ein Krieger so braucht.
Im Inn kann für ein wenig Bares die Lebensenergie, welche durch
Herzen angezeigt wird, erneuert und gleichzeitig gespeichert werden.
Die Waffen- und Item-Läden versorgen uns mit lebensnotwendiger
Ausrüstung. Viel Auswahl gibt es jedoch nicht, meist beinhalten
die Shops einfach nur die nächstbeste Option. Mit Potions und Elixieren
können die Herzen unterwegs aufgefrischt werden. Es kann nur jeweils
ein Fläschchen mitgenommen werden, mehr ist auch nicht nötig.
Dass sich das gesamte Spiel nicht wie eine Hatz von einem Dungeon zur
nächsten Stadt anfühlt, ist dem Leveldesign zu verdanken.
Mit neuer Ausrüstung öffnet sich eventuell in einem vorherigen
Gebiet ein neuer Weg oder lässt sich eine versteckte Schatzkiste
erreichen. Durch diverse Abkürzungen kommt wirklich das Gefühl
auf, eine große Welt zu bereisen, die nach und nach ihre Geheimnisse
enthüllt. Die Dungeons sind nicht nur mit knuffigen Monstern verseucht,
auch einige Schalter- und Schieberätsel warten auf ihren Meister.
In den überall verstreuten Truhen sind teils optionale, aber auch
für das Beenden des Spiels essentielle Gegenstände enthalten.
Neugier zahlt sich eben aus. Shion kämpft nicht nur mit Schwert
und Schild, er ist ebenfalls in der Kunst der Magie bewandert. Leider
sind die handvoll Sprüche in nur wenigen Situationen wirklich notwendig
und stellen eher ein nettes Gimmick dar. Einzig "Return" habe
ich oft benutzt, um von jetzt auf gleich in das zuletzt besuchte Inn
zurückzukehren.
Die Grafik ist für mich das eigentliche Highlight. Auf den ersten
Blick wirkt sie vielleicht etwas simpel, aber das liebevolle Design
mit den knallbunten Farben hat mich nach wenigen Minuten sofort begeistert.
Alles ist aus einem Guss und durch die vielen abwechslungsreichen Orte
kommt gar keine Langeweile auf. Das beginnt schon am Start. Nachdem
ich Shions Haus verließ, rechnete ich eigentlich mit einem Wald,
wie er in zahlreichen Rollenspielen und Action-Adventures am Anfang
gezeigt wird. Stattdessen betrat ich einen tropischen Strand mit Palmen
und Affen. Natürlich dürfen die typischen Dungeon mit Feuer-
oder Eis-Thema nicht fehlen. In der Eislandschaft haben mir einige bizarre
Gegnertypen besonders gefallen, die genauso gut aus dem witzigen Shooter
Parodius hätten stammen können.
An der Musik gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Der hochwertige
Soundtrack passt stets perfekt zur Atmosphäre und lädt zum
Mitsummen ein.
Der Schwierigkeitsgrad ist fast das gesamte Spiel hindurch niedrig.
Wer sich in den Läden gut ausrüstet, sollte keine Probleme
bekommen. Nur eine Sprungpassage vor dem vorletzten Endgegner sowie
den endgültigen Boss habe ich als fordernd, ja sogar ein bisschen
frustrierend empfunden. Während die schwierige Hüpfstelle
noch durch konsequentes Üben zu bewältigen ist, muss man beim
letzten Obermotz nicht nur die Steuerung fehlerlos beherrschen sondern
braucht meines Erachtens nach auch eine Portion Glück.
Die Spielzeit beträgt um die 10 bis15 Stunden. Dies mag nach wenig
klingen, dafür gibt es keine langweiligen Stellen oder künstliche
Storyverlängerungen. Wer einfach nur durchläuft, schafft es
sicherlich in noch kürzerer Zeit. Das wäre aber Schade, denn
Monsterworld lädt eindeutig zum Entdecken ein.
Fazit: Wonder Boy in Monster World gehört zu den Mega Drive-Spielen,
die man unbedingt kennen sollte. Die locker-heitere Atmosphäre
sowie das Erkunden der stimmungsvollen Abschnitte machen einfach einen
Heidenspaß. Rätsel und Magiegebrauch hätten für
meinen Geschmack ruhig mehr Beachtung finden können. Auch die wenigen
Fruststellen im sonst so ausgewogenen Spiel bleiben einfach negativ
in Erinnerung. Da die positiven Aspekte aber bei weitem überwiegen,
liegen Shion & Co. mit neun Punkten nah an der Perfektion.
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