Zillion
Action

Minrod
Mai 09
 

Das Science-Fiction-Spiel "Zillion" gehört auf Segas Master System zu den Urgesteinen und dürfte jedem noch so sporadischen Gelegenheitsspieler der damaligen 8-Bit-Zeit ein Begriff sein. Mit einem Agentenszenario im Anime-Stil erinnert es etwas an populäre japanische Zeichentrickgrößen wie "Captain Future" oder "Saber Raider". Dies ist auch kein Zufall, denn das Spiel wurde zusammen mit einer gleichnamigen Zeichentrickserie von Tatsunoko veröffentlicht, bei der es um drei geheimnisumwitterte Zillion-Pistolen geht, die in den Händen dreier mutiger Streiter für Recht und Ordnung in der Galaxie sorgen. Obwohl in Japan durchaus erfolgreich, hat die Serie es nie nach Europa geschafft, auch wenn das Spiel gute Erfolge bei uns verbuchen konnte.

Als Spezialagent JJ und einer der drei Zillion-Träger muss man eine feindliche Norsa-Basis auf dem Planeten X infiltrieren, dabei fünf mit geheimen Dokumenten bespielte Disketten auffinden und zu guter Letzt den ganzen Komplex in die Luft jagen. Nebenbei darf man auch noch nach seinen verschwundenen Kameraden Apple und Champ Ausschau halten, die bei ihren Einsätzen gefangen wurden. Es gibt also reichlich zu tun.

Zu Beginn der Mission bekommt man zehn vierstellige Codes ausgehändigt, mit denen sich die technischen Einrichtungen der feindlichen Anlage beeinflussen lassen. Die Zillion-Pistole fest in der Hand verlässt man das Mutterschiff und betritt die sich tief ins Planeteninnere erstreckende labyrinthartige Basis mit einem Aufzug. Einmal drin, muss man sich zunächst eine ID-Karte besorgen, um Zugriff auf die überall vorhandenen Terminals zu erhalten. Man findet eine in einem der zahlreichen Behälter, die in jedem Raum zu sehen sind. Das Hauptaugenmerk des Spieles liegt auf dem Durchsuchen dieser Behälter. Dabei entdeckt man in fast allen Räumen vier Schlüsselcodes. Diese muss man sich gut merken, um sie mittels ID-Karte in die Rechner eingeben zu können. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Auf diese Weise öffnet man verschlossene Türen und aktiviert Aufzüge und macht somit weitere Bereiche der Basis zugänglich. Erschwert wird das ganze Unterfangen durch patrouillierende Soldaten, Selbstschussanlagen, Laserbarrieren und alarmauslösende, ohne Infrarotbrille unsichtbare Lichtschranken. Die oft störend und ungünstig installierten Einrichtungen lassen sich mittels der am Anfang erhaltenen Codes kurzzeitig ausschalten. Die Sabotage sollte man sich aber immer gut überlegen, da im Gegensatz zu den gefundenen autorisierten Schlüsselcodes die ID-Karte vom Rechner einbehalten wird. Findet man sich durch zu häufiges Sabotieren ohne eine einzige ID-Karte wieder, ist man in der Regel hoffnungslos verloren.

Nachdem ich mich das erste Mal ernsthaft mit "Zillion" beschäftigt hatte, musste ich automatisch an "Impossible Mission" von Epyx denken. Beide Spiele haben die Durchsuchung eines unterirdischen Gebäudekomplexes mit anschließendem Computereinsatz sowie der Möglichkeit der Manipulation gemeinsam. Sega hat sich tatsächlich an diesem westlichen Klassiker orientiert, im Endeffekt aber viele eigene Akzente gesetzt, so dass von einem Duplikat nicht die Rede sein kann. JJ steht unter keinem Zeitdruck, kann bei Verlust seiner gesamten Lebensenergie jedoch sterben. Diese kann bei Bedarf jederzeit im Mutterschiff wieder aufgeladen werden, was am Anfang durchaus viel Sinn macht. Im Laufe des Spieles findet man aber auch einige nützliche Power up´s, die nicht nur JJ´s Lebensenergie und Widerstandskraft verbessern, sondern ihn höher springen lassen oder die Feuerkraft der Zillion-Pistole verstärken. Diese Parameter wurden bei der Gestaltung der einzelnen Spielabschnitte berücksichtigt und beeinflussen den Spielverlauf erheblich, indem beispielsweise einige Behälter erst mit stärkerer Feuerkraft geöffnet werden können. Nachdem man seine Kameraden befreit hat, darf jederzeit zwischen ihnen gewechselt werden, was aufgrund ihrer unterschiedlichen Statuswerte noch leichte zusätzliche taktische Überlegungen mit einfließen lässt. Darüber hinaus bietet das Spiel einfach mehr Action, schon alleine durch die Tatsache, dass man hier schießen kann.

Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist hoch, was sich vordergründig im verzweigt angelegten Labyrinthkomplex äußert. Man wird wirklich viele Anläufe benötigen, um sich ein vollständiges Bild von der Anlage machen zu können. Bleistift und Papier können hierbei recht hilfreich sein. :) Die Schlüsselcodes braucht man sich aber nicht zu notieren, da sie nach dem Zufallsprinzip jedes Mal neu generiert werden. So muss man zwangsläufig bei jedem Neustart alle Behälter wieder prüfen. "Zillion" ist nicht nur sehr anspruchsvoll, sondern seiner Zeit etwas voraus. Oft wird es als Segas Antwort auf "Metroid" gebrandmarkt, was ich jedoch nicht nachvollziehen kann. Ein direkter Zusammenhang der beiden Spiele findet sich eigentlich bloß in der recht großen Bewegungsfreiheit, und ansonsten in kleinen Details, die auf viele andere Spiele ebenso passen würden.

Nach mehr als 20 Jahren wirkt "Zillion" technisch recht veraltet, spielt sich aber nach wie vor hervorragend. Die Grafik ist noch recht bunt, die etwas hölzern wirkenden Animationen sind noch ansehnlich. Die Spielcharaktere können nicht nur laufen und springen, sondern auch robben, was eindeutig über dem damaligen Standard liegt. Geflacker kommt nur selten vor. Dafür muss man auf ein Scrolling verzichten, hier wird ein Bild nach dem anderen eingeblendet. So war es damals eben. Musikalisch wird nur eine einzige Melodie geboten, die mir jedoch trotz mehrstündiger Sitzungen nie negativ auffiel. Besser geht natürlich immer, da es sich aber hierbei um eines der ältesten SMS-Spiele handelt, darf man nicht zu viel erwarten. Hauptsache der Spaß stimmt, und davon ist hier reichlich vorhanden. Während mir "Metroid", um beim letzten Vergleich zu bleiben, heute nur noch ein müdes Gähnen abgewinnt, vermag mich "Zillion" immer wieder aufs Neue zu motivieren. Zwischen den beiden Spielen liegen Welten, eindeutig zu Segas Vorteil. Und das sage ich hier als ein großer Fan von Nintendos Kopfgeldjägerin. Da es zudem noch nicht so extrem frustrierend wie "Impossible Mission" ist, steht der vollen Punktzahl nichts im Wege. Immerhin reden wir hier vom anspruchsvollsten und wohl besten Spiel für das Master System. ;)